Band 
Zweiter Band.
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130 Viertes Buch. VHI. Wissenschaft und Litteratur am Ende des 16. Jahrhunderts.

oder deutsch abgefaßt, vielfach auch in einem Gemisch beider Sprachen geschrieben, — baldtrocken, langweilig, weitschweifig, bald in Luthers Art kurz, derb und anschaulich; besondersgern bediente man sich frommer Wendungen, wie man denn überhaupt die alltäglichsten undkleinlichsten Dinge der Gnade oder dem Zorne Gottes zuschrieb. Auch hier spielte die „Zeitung",d. h. der Bericht über Ereignisse, „die nicht immer wahr sein mußten", eine Hauptrolle. InBriefen an Höherstehende machte sich ein übertrieben serviler Ton breit. Gegen Ende dessechzehnten Jahrhunderts wuchsen Schwulst und Weitschweifigkeit im Briefschreiben nebst Titulier-sucht und Fremdwörtermanie auf erschreckende Weise an. Auch die französische Korrespondenzbegann nun in höheren Kreisen Mode zu werden.

Das Posthaus zu Augsburg im Jahre 1616. Faksimile des Kupferstiches von Lukas Kilian (1579—1637).

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Mit der Zunahme des brieflichen Verkehrs gingen auch Verbesserungen in der Be-förderung der Briefe Hand in Hand. Im Jahre 1516 wurde der erste regelmäßige Post-verkehr unter Leitung der Familie Taxis zwischen den Niederlanden und Österreich eingerichtet.Die Einführung einer Post für das gesamte Reich wurde auf den Reichstagen wiederholtangeregt; seit 1563 suchten die Taxis ihr Unternehmen wirklich so weit auszubreiten, ohneindessen die Posteinrichtungen einzelner Landesherren beseitigen zu können. Die Fürsten be-förderten ihre eigenen Briefschaften noch immer durch besondere Boten und die Privatleutefuhren fort, Gelegenheitsbeförderung durch reisende Geschäftsleute zu benutzen. Dabei kam esdann nicht selten vor, daß Briefe aufgefangen und unterschlagen wurden, namentlich gewalt-thätig!: Kriegführer wie Markgraf Albrecht von Brandenburg (S. 27) waren darin unbedenklich.

Im Laufe des sechzehnten und in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts beganndie hochdeutsche Sprache das Gebiet der nieder- oder plattdeutschen zu erobern. Hier, bis nachSchleswig hin, nahmen zuerst die Fürsten und Beamten, welche in Wittenberg studiert hatten,