132 Viertes Buch. VIII. Wissenschaft und Litteratur am Ende des 16. Jahrhunderts.
Gedichte: Fabeln, Legenden und Schwänke sind die ansprechendsten unter den Dichtungen desberühmten Nürnberger Meisters, dessen dramatischer Werke im weiteren Verlaus der Darstellungbesonders zu gedenken ist (S. 138 f.).
Uwanck, von dem frommen Wel.
Is zu Fcanckfurt vor manchem Iar2m Isslagn, der Haubrstakte da warEins tags gehalten Halsgecichkvder gar ein jungen LäßwichtGar ein hurtigen ReullecsmanDer rvar ein wolgestalk PerlonVon Leibe schön, gerad vnd langvnd hett ein gar höflichen gangIn der kleidung geschmückt vnd sauberDer war gewesen ein Straßraudervber welchen Augspurg die StarkTausendt Gulden verbürget hatDiesem solt man den Lopf abhawenVb welchem aber Mann vnd FcawmGar sehr großes Mirlegdcn hett.
AIs man den verurehcilcn lhektvnd zu dem Gericht füret außBracht jn für ein grosses wirtshaußDarinn vil fremdes Adels lagSollen da machen «in vertragMit der Fränkischen RitterschaffrNun diese waren auch bchafftIn mitlcydcn vnd mir erbarmen2l» sie sahen »ußfärn den ArmenSo guter höflicher gestaltvnd doch kaum zwcintzig jäcig altDa dawrer sie das junge Blutwurden zu rhat, vnd wülgemutGiengen hin für den obern RhatVnd da aufs demüthigest hatDer Adel angelegt ein Bittvnd vermeint den Jungen darmitBeym Vber Rhat Huld zu erwerben
Daß er nir müst so elend sterbenSonder wärt von dem Schwer- errett.Der ober Rhat da fragen therIc lieben Grlccwcn, saget anwist jr was der Iung hat gethanDacumb er sol werden gerichtfDer Adel sprach: das wiß wir nichtAllein rhewt vns die jung Personvmb den doch waclich jedermonEin sonderlich mirlcpden hat.
Dacauff antwort der ober Rhat:
Ihr lieben Berrcwen, so wistDaß der Iung ein Stcaßcauber istwelcher den Laufleuten auß verkrawcnErlich wägen hat »uff gehauwinSie gfangcn vnd gescheget hartMir seiner Rstt auf dem Spelläctvnd hak auch sonst vil schaden» rhonOarumb wöll wir jhn richten Ionweil jhr aber so grosse LittAnlegt, woll wir jhn richten nichtSonder zu ehren euch gemeinSol jhm das Leben gfchenckek feinGang ouirledig all seiner bandIedoch söl er räumen das landvnd nimmermehr kommen dareinAu straff dieser Verhandlung sein.
AIs nun der Adel an dem orcVom ädern Rhat härt diese WortDa sprachen» gleich mir Entsagungwies Hak gerauber dieser IungDie Laustest schon auff dem Sbessartvnd er ist doch nicht edler ark
Das hab wir nicht gewüst vorhinDechalb nur eylenrs mir jhm hinvnd last jhm nur sein Lspf abschlagenwolt der Lawrenknecht in den tagenSich mir Raub auff dem Spessart nehrnwelches doch nur zusteht mit ehmDem frommen Adel aller MassenDen Laufleutcn in busen blassenDaß jhn die Gülden heraus? stieben.
Den die Rcißdiensk gar hoch thund liebenDie big jhn bleiben hin biß herNur dapffer gute ReurtersmärDarmit der fcomb Adel abschiedvnd war des vrlhcils wol zufcied.
Der Beschluß.
Froh sollen deß all Laufleut seinDaß all« Strassen werden regnIn Franken, Lagern, Sachsen, Schwaben,Daselbst ist grosse achtung habenDer Adel, daß auff keiner StraßLein Räuber mehr ausfragen laßEr seg denn von Adels geschlcchcDas zu der that. hab fug vnd recht,Dcrhalb ist jetzt sicher wandelnGen Franckfuck vnd Lciptzig zu handelnVergleich durch all Gebirg vnd ThalDas vor vnstcher war zu malwer jegund durch den Spessart zügvnd Goidr auff seinem Haupte trügMan nein jhm nicht ein LgcenstilDaraus! so laß sich wer da wilDoch bük er sich vor vngemachsAuff allen Strassen rhäk Hans Sachs«
Verkleinertes Faksimile eines Flugblattes^mit einem Gedicht von Hans Sachs.
Hans Sachs steht unter den wenigen Dichtern, welche den Durchschnitt der Meistersinger(I. S. 444) überragten, obenan. Die ersten geschlossenen Gesellschaften dieser Männer, derenKunst ihren Ursprung aus dem gewöhnlichen Gesangsunterrichte genommen hatte, finden sich in