136 Viertes Buch. VIH. Wissenschaft und Litteratur am Ende des 16. Jahrhunderts.
welcher französisches Wesen in Deutschland zu fördern suchte und wahrscheinlich zur Abschreckungvon dem herrschenden plumpen Wesen den Grobianus nicht nur übersetzte, sondern auch vermehrte.
Einem einzigen Manne aber war es vorbehalten, mit dieser Derbheit und einer sieillustrierenden Wortbildung auch Geist und fortschrittliche Kampflust zu verbinden; nämlichJohann Fischart: der größte streitbare — wie Hans Sachs der friedfertigste — deutscheDichter des sechzehnten Jahrhunderts. Sein schriftstellerisches Wirken fällt in die siebziger undachtziger Jähre. Fischart (um 1550MZ um 1590) war mit Kaspar Scheid verwandt und sein
Schüler; er nannte sich stetsDieWuNdc^schfi Vnechörklsi Legend einen Mainzer, lebte aber
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er in den meisten Beziehungenüber seine Zeit empor. JedeWissenschaft fand in ihm, so-weit es damals möglich war,ihren Meister, manche alte undneue Sprache ihren Kenner;und mit diesem Wissen undKönnen trat er unter das Volk,vergrub es nicht in ungenieß-baren gelehrten Folianten.Wie Hans Sachs galt er vielunter seinen Zeitgenossen, undwie jener geriet er in Ver-gessenheit, als später die fran-zösische „ Alamoderei" inSchwang kam. Seiner reli-giösen Überzeugung nach Warer Calvinist, doch nicht vonder strengen Richtung; jederReaktion trat er entgegen, so-wohl derjenigen des Luther-tums mit seiner despotischenKonkordienformel, als jener,welche Papst und Jesuitenmit der „Gegenreformation"durchzuführen suchten. Aucher war ein warmer Freunddes deutschen Landes undVolkes und ein Feind fremderModethorheiten; Kaiser undReich verehrte er; fürstlicher Überhebung war er ein Gegner. Die von dem bigotten Spaniendamals ausgehenden Greuel und Bedrückungen, die Nachahmung derselben in der Bartholomäus-nacht, sowie die Jesuiten fanden nirgends eine so zermalmende Satire sich gegenüber, wiedie Fischarts.
Großartig und erschütternd hat er in deutschen Versen die Psalmen wiedergegeben; anmutigist sein „Tanz-Liedlin" und das dem Horaz nachgesungene „Lob des landlusts"; von rührendemHäuslichkeitssinn durchdrungen ist sein „philosophisches Ehezuchtbüchlin" und sein Buch von derKinderzucht, beide in Prosa auf der Grundlage Plutarchs, sowie die dichterische „Anmanung
öl. v. I. X X X.
Faksimile des Titels von Johann Fischarts „Jesuitenhütlein"erste Ausgabe von 1580.