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Zweiter Band.
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Der Grobianus. Johann Fischart.

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zu christlicher Kinderzucht"; edle Vaterlandsliebe zürnt und donnert in seiner „Ernstlichen Er-wartung an die lieben Teutschen"; Begeisterung für Religionsfreiheit weht in seinen Sonettengegen Katharina von Medici. In der „Schwalbenhatz" verurteilt Fischart die zelotischen Möncheder Bettelorden; eine bittere Satire auf den zu seiner Zeit erobernd vorgehenden neuen Ordenist sein „Jesuitenhütlein"; gegen die römische Herrschsucht überhaupt schleuderte er den „Bienen-korb des heiligen römischen Jmmenschwarms" (S. 120). Unter seinen komischen Erzählungenin Versen steht „Flöh Haz, Weiber Traz" obenan, worin er mit köstlichem Humor einen vorJupiter geführten Streit der Flöhe und der Weiber darstellt. Von schlichtem Ernst ist seineSchilderung der bekannten Straßburger Schützenfahrt der Züricher mit dem warmen Hirsebrei„das glückhaft schiff von Zürich". Gegen die spanische Macht, deren Niederlagen er allejubelnd besang, richtete er im Jahre 1588 das „Bündnus zwischen Straßburg, Zürich undBern". Als sein Hauptwerk aber, und zugleich als das der „grobianischen Litteratur", giltdie eigenartige Überarbeitung („Geschichtklitterung") der grotesk-satirischen Riesengeschichte „Gar-gantua und Pantagruel" von dem Mönchschalk Rabelais; die Derbheit des französischen Ver-fassers wußte Fischart bei aller Hinzufügung der seinigen doch zu verfeinern nnd durch seinegegen den Wunderglauben, die einseitige „Gelahrtheit", die Modenarrheiten und die Völlerei desZeitalters gerichtete Tendenz zu vergeistigen. Auch gegen die Astrologen und Alchemisten kehrtesich in „aller Praktik Großmutter" seine Feder. Es sind namentlich diese Werke, in welchendieser eigenartige Schriftsteller seiner Lust an der Bildung neuer deutscher Wörter aus lateinischenund griechischen, deren Bedeutung sie in komischer Art wiederspiegeln — z. B. Pfotengram fürPodagra, maulhenkolisch statt melancholisch — die Zügel schießen ließ.

Eine neue Gruppe der Poesie jener Zeit eröffnete der sächsische Lehrer und PredigerGeorg Rollenhagen (1542—1609), welcher das aus dem Altertum überlieferte komischeHeldengedicht des Froschmäusekrieges, die pseudohomerische Batrachomyomachie, als „Frosch-meuseler" bearbeitete. Er rief damit eine an „Reineke Bos" anknüpfende Reihe von Tier-gedichten mit moralischer Tendenz und mit Anspielungen auf die Geschichte und Zustände derZeit ins Leben, unter denen sich der „Ganskönig", eine komische, mit satirischen Beziehungendurchflochtene Apotheose der Gans, von Wolfhart Spangenberg in Straßburg durch ihrereine und fließende Sprache auszeichnet.

In ihrer Lebenslust und Vergnügungssucht war jene Zeit natürlich sehr auf unterhaltendeGeschichten erpicht. Diesem Bedürfnis kam die Litteratur mit zahlreichen Schwänken ent-gegen, deren Inhalt meist ein abgeschwächter Grobianismus war. Schon Hans Sachs thatsich in dieser Richtung hervor, aber erst nach ihm erzeugte sie wohlbeleibte und nur zu sehrim Schmutze wühlende Schwankbücher, unter denen des Elsasser Meistersingers Georg Wickram„Rollwagenbüchlein" (1555), des Schweizers Jakob Frey „Gartengesellschaft", des MartinMontanus aus Straßburg „Wegkürzer" und Hans Wilhelm Kirchhoffs aus Kassel „Wend-unmut" zu nennen sind. Eulenspiegeleien und Schildbürgereien, Landsknechtsschwänke undHahnreiabenteuer, Spottgeschichten von „Pfaffen", „Junkern" und Bauern, auch Volksmärchenwerden in diesen Schwankbüchern erzählt, die mehr ein Zeichen ihrer Zeit als ein Keim geistigenFortschrittes sind.

Dagegen that die Bühne im sechzehnten Jahrhundert einen bedeutenden Schritt zu ihrerWeiterentwickelung, indem sie sich endgiltig von der Vormundschaft der Kirche löste, soweit nichtdas kirchliche Theater sich in einzelnen abgelegenen Orten erhielt. In der Schweiz wurdenschon bald nach 1535 Stücke aus der heimischen Geschichte aufgeführt, unter denen natürlich dieden meisten Anklang fanden, deren Held Wilhelm Tell war, welcher etwa ein halbes Jahrhundertvorher bei Chronisten zum erstenmale genannt worden. Unter den Verfassern solcher, mehrdurch gute Absichten als durch schöne Sprache oder einheitliche Handlung hervortretenden Stückewar der Chirurg Jakob Ruof in Zürich (f 1558) besonders geschätzt. Doch bearbeitetendiese Dichter auch biblische Stoffe, wie die Schwankerzähler Georg Wickram und Jakob Frey,und zugleich tauchten Schauspiele aus der römischen Geschichte auf. Die Tendenz trat immerweiter zurück, Handlung und Charakterschilderung dagegen mehr hervor. Die Aufführungenfanden in der Schweiz noch lange im Freien statt, auf einem Gerüste, das am Markte