Batterie, gegen eine Festung aufgefahren. Faksimile aus einem Kupferstiche von Matthaeus Merian im llioatrnm Luroxasnin.
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Neunter Abschnitt.
Das dreißigjährige Rriegselend.
lV^in furchtbares Unheil, das schwerste, welches in der ganzen Geschichte Deutschlands zuverzeichnen ist, hielt in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts den Fortschrittunseres Volkes zu höherer Kulturblüte um mehr als ein Jahrhundert auf. Es war der ver-wüstende Krieg, der über unser Vaterland hereinbrach als eine ebenso unvermeidliche Folgeder Gegenreformation, wie letztere aus der Reformation hervorging und diese wieder aus denZuständen im kirchlichen Leben, welche sich im fünfzehnten Jahrhundert entwickelt hatten, not-wendig hatte erwachsen müssen.
Der dreißigjährige Krieg nahm seinen Anfang daraus, daß das in Österreich angehobeneSystem der Ausrottung des Protestantismus auf Böhmen ausgedehnt wurde. Dieses Landwar ein Königreich; es besaß daher eine Organisation, die den übrigen österreichischen Kron-ländern innerhalb des römisch-deutschen Reiches mangelte. Dazu kam noch die Gegnerschaftzwischen Deutschen und Tschechen, die neben dem religiösen Zwiespalt als weiterer Grund zuFeindseligkeiten ins Gewicht fiel. Deshalb mußte die Ausübung eines Gewissenszwanges, wo-durch im eigentlichen Österreich nur leicht zu unterdrückende Bauernaufstände hervorgerufenwurden, in Böhmen eine Revolution erzeugen, die ihre Wogen weit umher auswarf. DasLand zählte fast anderthalbtausend Adelsfamilien, deren sehr zahlreiche Mitglieder beinahesämtlich, wenig mehr als hundert Köpfe ausgenommen, protestantisch waren, und neun Zehntelder ganzen übrigen Bevölkerung Böhmens bekannten sich ebenfalls zum neuen Glauben. Hierbegann der Krieg um das edle Gut der Gewissensfreiheit. Seine Fortführung aber hatte ihreWurzeln nur in der Herrschsucht und in dem Länderhunger der Mächte und Fürsten, welchein den unheimlichen Zauberkreis des Krieges hineingezogen wurden. Aus dem anfänglichreligiösen Kampfe wurde mehr und mehr, zuletzt vollständig ein politischer, ein wildes Ringenund Streiten um den Vorrang in Europa. Die Ursachen der langen Dauer des Krieges liegenin den Grundsätzen der Kriegführung und Kriegszucht jener Zeit. Mit lauter kleinen, zer-splitterten Heeren operierte die damalige Kriegskunst und vermochte daher keine Entscheidungherbeizuführen. Die soldatische Zuchtlosigkeit aber ließ die empörendsten Greuel zu, welchedie Truppen immer mehr entmenschten und so die „Kriegsfurie" stets aufs neue entfachten,bis sie endlich erlöschen mußte, weil es am Ende nichts mehr zu rauben und zu verwüsten gab.
Die Ereignisse, welche zunächst zu dem entsetzlichen Kriege führten, waren von vornhereinmit dem Fluch des Bruderkrieges belastet. Auf die zwar schwachen, aber humanen Kaiser