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Zweiter Band.
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Viertes Buch. IX. Das dreißigjährige Kriegselend.

Ferdinand I. und Maximilian II. war der bigotte, kraftlose, trübsinnige und launenhafteRudolf II. (S. 50 f.) gefolgt, der das Reich nicht minder seinen astrologischen und alche-mistischen Liebhabereien wie seiner Sammelwut hintansetzte, sich nicht vermählte, wohl aberuneheliche Kinder hinterließ. Die schlimmen Zustände, in welche des Kaisers Verhalten dieKronländer versetzte, riefen seinen ehrgeizigen Bruder Matthias gegen ihn unter die Waffen(1608), der dem Schwachen die Hälfte seiner Länder entriß. Dem Kaiser blieb lediglichBöhmen. Nicht lange. Denn als er im Verein mit seinem geistlichen Vetter Erzherzog Leopold,dem Administrator der Bistümer Passau und Straßburg, die wilden Soldatenbanden der

„Passauer" im Kampfe mit Matthiasgegen Österreich und auf die ihm ab-geneigten böhmischen Stände losließ, stiegdie Erbitterung gegen Leopold und Ru-dolf aufs höchste. Einmütig erhoben sichdie Böhmen gegen sie; vor ihrem Auf-gebot mußten die gräßlich hausendenSoldatenhorden abziehen. Damit verlorRudolf II. auch Böhmen (1611), kurzvor seinem Tode. An seine Stelle wurdenun Matthias zum römischen Kaisererwählt. Als der Ehrgeizige im mittel-alterlichen Krönungsprunke, Fürsten undKurfürsten als dienstwilliges Gefolge,unter dem Schmettern der Trompetenmit vollen Händen die Münzen unterdas Volk warf, hatte er die ersehnteHöhe erreicht, aber auch seine Kraft er-schöpft. Obschon er geleitet wurde durchseinen, von Protestanten stammendengeistlichen Minister, dem geist- aber auchränkevollen Kardinal Melchior Khlesl,einem der härtesten Kämpen der Gegen-

Alraune Kaiser Rudolfs II. Wien. !. I. Lofbibliothek. reformation, vermochte er dem wogenden

hielten." (Nach Guido List im „Sammler".) selbst ergangen, wenn er, der ebenso wie

Rudolf II. ohne Nachkommen war, nicht

hielten." (Nach Guido List im „Sammler".)

beizeiten in die Nachfolge seines Vetters Ferdinand II., des eifrigsten Katholiken seinerZeit (S. 51), gewilligt hätte. Umsonst hatte Khlesl dagegen gearbeitet: er ahnte seinen Sturz,der dann auch erfolgte, als ein Herrscher da war, der selbst wußte, was er wollte.

Seit Ferdinands Krönung zum König Böhmens (1617) erreichte die schon vorher be-triebene Unterdrückung der im Lande weit überwiegenden Protestanten (S. 141) und die Ver-letzung des ihnen von Rudolf II. erteilten „Majestätsbricfes", welcher schon genug Einschränkungender Glaubensfreiheit enthielt, einen Grad, der den gewaltsamen Ausbrnch des Unwillens unver-meidlich machte. Zunächst nur um über Schritte zur Abhilfe zu verhandeln, beriefen im März1618 die Protestanten hundert Vertreter aus allen Landkreisen nach Prag. Diese Versamm-lung beschloß, dem Kaiser Matthias ihre Beschwerden zu unterbreiten. Der Bescheid auf die-selben war schroff ablehnend und rief in der zweiten böhmischen Protestantenversammlung, dieschon im Mai zu Prag tagte, erbitterte Aufregung hervor. In vollen Waffen zogen dieMitglieder auf die kaiserliche Burg, um von den dort anwesenden vier Statthaltern Aufklärungüber des Kaisers Bescheid zu fordern: da dieselbe die Ergrimmten nicht befriedigte, so kam