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Zweiter Band.
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Vorgehen der Jesuiten. Bewaffnung und Rüstung im 16. und 17. Jahrhundert. 149

Und so spann nun der gräßliche Krieg sein verderbliches Netz über ganz Deutschland,über alle Teile des Reiches von der Ostsee bis an den Oberrhein. Nur die beiden vom Reichegetrennten Republiken, Holland und die Schweiz, Graubünden ausgenommen, blieben verschontund blühten empor, während das Reich verwüstet und entvölkert wurde.

Das Kriegswesen hatte seit den Zeiten der Landsknechte verschiedene Wandlungen durch-gemacht, sowohl was die Kriegführung, als was die Bewaffnung betrifft.

Die Formen des Harnisches waren am Ausgange des Mittelalters wesentlich durch dieMailänder Rüstung (I. S. 297) gegeben und zum Abschluß gebracht worden. Der Helm (Fig. 1der Tafel „Schutz- und Trutzwaffen des 16. und 17. Jahrhunderts") blieb auch imsechzehnten Jahrhundert der Armet- oder Burgunderhelm, entweder in der Wulst drehbar mitdreiteiligem Gesichtsschutze oder mit Kragen und Halsfolgen; er hatte meist eine Federhülse hinten,die den oft sehr mächtigen Federschmuck trug.

Der Brustharnisch wurde kugelig (Fig. 2) mitsehr stark gewulsteten Orten und einem Lanzen-haken. Über die Schosseln wurde der Wappen-rock angelegt. Die Schulterkacheln waren nurgeschoben und hatten Brechränder; natürlichwar der rechte Flug kleiner und ausgeschweift,um der Lanze Raum zu geben. Der Fußward breit, „gehackt" gestaltet. Mitunter er-weiterte sich der kurze Schurz zu einer ArtReifrock, dem „Kampfschurze" (Fig. 7); der-selbe war öfter vorn und hinten ausgeschnitten,um auch zu Pferde Anwendung finden zukönnen, und der Ausschnitt ist dann durch einEinsatzstück gedeckt, welches beim Reiten aus-gehoben ward.

Auch in der zweiten Hälfte des Jahr-hunderts ist der Kampfschurz noch beliebt. DieWaffenschmiede zeigen sich jetzt bestrebt, denHarnisch auch zum Fußkampfe brauchbar zumachen; der Schuh ward vorn wieder rund,zum Entenschnabel, ziemlich der Mittelformentsprechend, welche sich beim Übergänge derSchnabelspitze in die breite gehackte Form bildete.

Dabei sonderte sich der Schutz des Fußes unddie Unterschenkelröhre; durch eine Wulst (L bour-rslst wie am Helme) wurde die bewegliche Ver-bindung zwischen ihnen hergestellt. Gegen Ende des Jahrhunderts verschwand die Unterschenkel-röhre aus der Rüstung; bis über das Knie hinauf werden Fuß und Unterschenkel jetzt durch denhohen Reiterstiefel (Fig. 9, 15, 17) gedeckt. Der Hüften- und Oberschenkelschutz der Schosselnwird lang und heftet sich an den nunmehr sehr kurzen Kampfschurz an. Im Brustharnisch machtsich nun die Einwirkung der französisch-spanischen Kleidermode geltend, indem der „Brüstel" eineZuspitzung in der Taille erhält, einen Mittelgrad, Tapul genannt, der sich bald dem „Gänse-bauch" nähert (Fig. 7, 8, 15, 16), oder in deutscher Weise mit geradem Taillenabschluß sichzu einer stumpfen Spitzung des Tapuls erhebt. Die Anforderungen, welche der Fußkampf an dieRüstung stellte, beseitigten auch die Schulterkacheln und ersetzten sie durch geschobene Schulter-stücke, die mit der Halsberge fest verbunden wurden (Fig. 9). Die Achselhöhlen werden jetzthäufig wieder in der Art früherer Zeit durch hängende runde Scheiben geschützt.

Ähnlich war die Ausrüstung des Landsknechts (Doppelsöldner, Fig. 3, 6) beschaffen. DenKopf deckte das befiederte Barett. Über einem Kettenkragen, welcher den Hals schützt, liegt derstark kugelige Brüstel, an den sich geschobene Schosseln heften, die über dem Knie enden. Das

Fahnenträger, Trommler und Pfeifer vom Ende des16. Jahrhunderts.

Originalgroßes Faksimile des Kupferstiches von H. Ullrich.