Truppen und Führer des dreißigjährigen Krieges.
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von Mansfeld (S. 148), ein deutscher Condottiere, der allen möglichen Herren diente, wennes galt, kriegerische Thaten zu verüben, der aber auch, ohne sich um jemanden zu bekümmern,willkürlich mit dem Feinde und mit verschiedenen Mächten unterhandelte. Sein abenteuerlichsterZug führte ihn nach Ungarn; dort starb er in Dalmatien, mit Harnisch und Schwert an-gethan, aufrecht zwischen zwei Waffengefährten. An Wildheit und Zügellosigkeit war ihmHerzog Christian von Braunschweig ähnlich, ritterlich, ehrgeizig und religiös schwärmerisch,daher er alle Greuel seiner wilden Horden für Mittel zu hohen Zwecken hielt; er war derSohn des dramatischen Dichters Heinrich Julius, Bischof (!) von Halberstadt, d. h. Titular-inhaber des protestantisierten Bistums. Ernste Würde und blutiger Fanatismus zeichnetendagegen auf katholischer Seite den bairischen Feldherrn Johann Tserklaes von Tilly aus,der sich ebenso sittenrein und fromm, wie rücksichtlos und grausam zeigte. Im gleichen Dienstetrat in der späteren Zeit des Krieges der vom Bauern zum General aufgestiegene Johannvon Werth durch seine soldatische Keckheit hervor.
Kein Kriegsführer jener kampfdurchtobten Zeit aber kam an Bedeutung und wechselvollemSchicksal dem Herzog von Friedland, Albrecht von Waldstein (Wallenstein 1583—1634)gleich. Mit fabelhafter Gewandtheit brachte er Heere auf die Beine, zusammengesetzt ausLeuten aller Nationen und Religionen, verzweifelte Existenzen, die ihm blind ergeben waren,da er für ihr Wohl ebenso väterlich sorgte, wie er das friedliche Volk herzlos verachtete.Er war ein deutsch-böhmischer Konvertit, der sich aber wenig um Glaubenssachen kümmerte.Der Astrologie ergeben, that er, was sein Geist und die Sterne ihm eingaben und nicht,was sein kaiserlicher Herr wollte. Vor allem liebte er Pracht und Glanz, und seine durchdie schlechtesten Mittel erworbenen Güter trugen märchenhaften Aufwand zur Schau. Seinehochfliegenden Pläne zielten auf ein einheitliches Kaisertum, in welchem die Fürstenmachtzurücktrat und der Glaubensdrnck verschwand und natürlich er selbst die erste Rolle gespielthätte; der Kaiser aber ließ sich von der Liga (S. 144) einschüchtern und gab ihn preis. Was dieFrage seines am Kaiser beabsichtigten Verrates betrifft, so würde er schlimmsten Falles zu einemsolchen Vorhaben gereizt worden sein; jene zuchtlose Zeit hatte noch nicht unsere heutigen An-sichten von Disciplin. Wäre er aber auch noch so schuldig gewesen, so wäre der Meuchelmorddoch eine Art der Todesstrafe, nicht würdig einer kaiserlichen Regierung; die Beseitigung jedesgerichtlichen Verfahrens wäre nicht statthaft gewesen; und diesen Mord (1634) für eineGnade Gottes zu erklären, wie der spanische Gesandte ^agte und der Wiener Hof dachte,wäre doch nicht mehr als Heuchelei gewesen. Einer von Wallensteins Verbündeten, derprotestantische Graf Schaffgotsch, wurde am Tage vor der Ermordung in Liegnitz verhaftet,nach Wien gebracht, 1635 in Regensburg gefoltert, ohne daß er sich hätte bekehren lassen, undenthauptet.
Wallenstein ebenbürtig als Feldherr, sittlich aber ihm weit überlegen war der einzigekönigliche Teilnehmer am Kriege, Gustav II. Adolf von Schweden. Daß die deutschenProtestanten ihn, den Fremden, wenn auch germanischen Verwandten, zum Führer annahmen,wird genugsam erklärt durch die schlimme Lage, in der sie sich vor seinem Eingreifen befanden.Die kaiserliche Übermacht war im Begriffe die Protestanten zu erdrücken; es blieb ihnen nurdie Wahl zwischen Vernichtung und Annahme einer Hilfe, woher sie ihnen auch kam. Das„Restitutionsedikt", welches Kaiser Ferdinand II. 1629 erließ, war bestimmt, die Wider-sinnigkeit des Fortbestehens geistlicher Fürstentümer unter protestantischer Verwaltung zu be-seitigen, durch die Ungerechtigkeit ihrer Wiederherstellung in der Form, in welcher sie bestandenhatten, bevor nach dem Passauer Vertrage von 1552 ihre Einziehung durch die protestantischenFürsten erfolgte. Unter gewaltsamer Bekehrung der den neuen Glauben bekennenden Be-völkerung jener geistlichen Gebiete sollte das Restitutionsedikt durchgeführt werden. Das be-deutete nichts geringeres, als die Ausdehnung der Gegenreformation auf Norddeutschland. ImFalle der Ausführung, welcher sich Wallenstein offen widersetzte, weil sie den Krieg zu einemGlaubenskampfe machte, wäre das Werk der Reformation größtenteils wieder vernichtet undunterdrückt worden. Zum Zwecke dieser Vergewaltigung mußte das unglückliche Magdeburg seinedenkwürdige Belagerung und seinen furchtbaren Untergang erdulden.