Soldatenaberglaube. Die Friedensverhandlungen.
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Etikette herrschte in den Sitzungen. DerNuntius des Papstes wollte einen Thron-himmel, der kaiserliche Gesandte den erstenPlatz haben, der venetianische bis an denWagen geleitet sein. Die Franzosendrangen mit ungezwungeneren Formendurch. Alle beteiligten Fürsten gewannenauf Kosten des Reiches Gebietszuwachs;den größten und für Deutschland verderb-lichsten erhielten die Fremden. Elsaß fielan Frankreich, Westpommern nebst den Bis-tümern Bremen und Werden an Schweden.
Die Schweiz wurde, wie sie es thatsächlichschon anderthalb Jahrhundert war, auchförmlich vom Reiche als unabhängig an-erkannt.
Mit unendlicher Mühe und unter demhärtesten Kampfe gegen die Unduldsamkeitbeider Religionsparteien wurde eine Ver-ständigung zwischen denselben erzielt. Erstjetzt wurden die Calvinisten den Katholikenund Lutheranern gleich behandelt und alsdritte Partei zu Gnaden angenommen.
Die Verteilung der Bekenntnisse und derBesitz geistlicher Stifte sollte, sonderbar genug, so bleiben, wie sie im Jahre 1624 gewesen.Daraus folgte für die kaiserlichen Lande, daß in Schlesien die Protestanten Glaubensfreiheiterhielten, während es im übrigen Österreich bei ihrer Unterdrückung blieb. Dies verletzte sowohlden Papst, als die Protestanten, und Jnnocenz X. hat denn auch durch die Bulle „2elo vomusvsi« von 1651 die Zugeständnisse an die „Ketzer" ebenso verdammt, wie die Errichtungeiner achten Kur für die Pfalz; diese Bulle durfte aber in Deutschland nie bekannt gemachtwerden. Die Protestanten jedoch, deren größtes Ärgernis, das Restitutionsedikt (S. 157),aufgehoben wurde, gaben sich bald zufrieden und schlössen sich wieder aufrichtig an Kaiserund Reich.
Das deutsche Volk hatte unendlich viel verloren. Zwei Drittel seiner Angehörigen hattees während des Krieges eingebüßt; es zählte beim Friedensschluß nur noch vier Millionen Be-wohner. Zahllose hatte der Krieg dahingerafft. Verwüstet, verödet und entvölkert waren ganzeGegenden. So lagen in Baiern hundert Dörfer, in Württemberg fünfundvierzig Dörfer undacht Städte, zusammen mit 36000 Häusern, in Hessen siebenundvierzig Schlösser, siebzehn Städteund dreihundert Dörfer, in Braunschweig-Lüneburg mehr als hundert Städte, Flecken undDörfer in Schutt und Asche; in der Grafschaft Ruppin standen nur noch vier Dörfer. DieBevölkerung Böhmens war von drei Millionen auf drei Viertel einer Million gesunken; dieGrafschaft Henneberg besaß nur noch ein Viertel ihrer früheren Einwohner, ein Drittel ihrerHäuser und ein Fünftel ihres Viehbestandes. In Württemberg war die Volkszahl von angeb-lich 400000 auf 48000 Köpfe gefallen. In der Stadt Augsburg standen 2216 Wohnungenleer: von 80000 Einwohnern hatte sie 62 000 verloren. In vielen Städten von ehemalsmehreren tausend Einwohnern traf der Friede nur noch ein paar hundert. Mehrere tausendDörfer waren ganz oder fast ganz vernichtet, in vielen lebten noch ein bis fünf Menschen.In Schlesien lagen gegen hundert Rittersitze wüst, und in dem Städtchen Guhrau standen587 Häuser leer. Das kleine Eßlingen hatte an zwei Millionen Gulden, Wismar in bloßfünf Jahren 170000 Thaler Schaden erlitten. Die Getreideausfuhr von Danzig sank währenddes Krieges von über hunderttausend Last auf zehntausend. Erfurts Samen- und Blumen-handel, Brauerei und Färberei waren vernichtet. Der Bergbau und die Industrie waren
Reiter im Kostüm um 1600.Originalgroßes Faksimile eines Kupferstiches, 1598, vonHeinrich Ullrkch.