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Zweiter Band.
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Die Friedensfeste. Nach dem großen Kriege. Die Universitäten. 169

wurden unter sie verteilt; aus einem vor dem Festsaal aufgestellten Löwen floß ihnen sechsStunden lang roter und weißer Wein. Nach dem Mahle trat auch der Humor in seine Rechte;ein Kriegsspiel kam zur Aufführung, worin die Oberfeldherren der nun ausgetobten Kämpfedie Hauptleute vorstellten, und die übrigen Generale die Gemeinen, welche dann alle des Frie-dens wegen scherzhaft abgedankt wurden.

Mit Frankreich wurde das Reich erst ein Jahr später einig. Bei dem zweiten Friedens-fest, das aus diesem Anlaß in Nürnberg am 22. Juni 1650 gefeiert ward, kamen 1476Knaben auf Steckenpferden vor die Wohnung des Grafen Piccolvmini geritten, ihn zu begrüßen.Am 26. Juni wurde der „Friedensexekutionshauptabschied" unterzeichnet, dem am 2. Juli der„Friedensexekutionsvergleich" mit Frankreich folgte. Dieses endliche Ende der Friedensschluß-Verhandlungen wurde von Piccolvmini abermals durch ein großes Bankett gefeiert, dasunter glanzvoller Teilnahme der Damen in einer Festhütte auf freiem Felde abgehalten wurde.Schon vor Jahren war der Festplatz, abstechend genug von dem noch wütenden Kriege, vonder poetischen Gesellschaft der „Pegnitz-Schäfer" zu ihren Schäferspielen am „süßlispelndenPegnitzflusse" eingerichtet worden; jetzt verherrlichte der Schäfer Floridan (sonst SigismundBetulius) das Fest durch ein von ihm arrangiertes Schäfer-Festspiel, in welchem — alle vonMännern vorgestellt — Concordia, Discordia, Justitia, der Friede und mehrere Götter auf-traten. Ein Feuerwerk folgte darauf, wie es in jener Zeit nicht oft vorgekommen sein magund zu dem fast die ganze Stadt zu Wagen, Pferd und Fuß herbeiströmte. Ein Prächtiggeschmücktes, mit mehr als tausend Lichtern besetztes Kastell war darin der Mittelpunkt, das,wie es im Berichte heißt, „durch die Finstere der Nacht einem mit viel tausend goldglänzendenSternlein gezierten Firmament sich verglich und die Augen der Anschauenden wundersambelustigte." Es stellte die Wohnung der Zwietracht vor, welche als „altes verhagertes Runzel-weib," „mit Schlangen umb den Kopf herumb" über dem Thore abgebildet war, unter welchemder wütende Mars stand. Natürlich wurde zum Schlüsse das ganz mit Raketen und Schwärmernbehangene Kastell samt Discordia und Mars durch Feuerkugeln unter prachtvollen Lichteffektenmit Glanz und Krach in die Luft gesprengt, während eine Säule mit dem Bilde des Friedensmitten unter aller Verwüstung unversehrt stehen blieb. Die Stadt selbst hatte sich zur Feier desTages über und über mit Fahnen, Bäumen, Blumen und allegorischen Emblemen geschmückt. —

Ähnlich wie die rückläufige Bewegung der „Gegenreformation" in dem grausig-blutigendreißigjährigen Kriege, so lief die gleichzeitige starre Einseitigkeit der Universitäten in dasgesetzlose Treiben aus, in welchem wir die Studierenden des siebzehnten Jahrhunderts verkommensehen. Der damalige Student „ging einher im Spitzbart und langen Haar, den Schlapphutmit Federbusch kühn in die Stirne gedrückt. Ein breiter Halskragen war über das geschlitzteWams geschlagen, ein leichter Ärmelmantel hing über der Schulter. Weite Pluderhosen, be-spornte Stiefel mit weiten Stulpen, das Stammbuch im Gürtel, den Stoßdegen oder Hiebervon unmäßiger Länge und mit gewaltigem Stichblatt an der Seite, eine Tabakspfeife und aufWanderungen ein tüchtiger Knotenstock"; das war seine Ausrüstung. Die studentischen Sittenwaren nicht die besten, sondern von einer bedenklichen Roheit; dieselbe hatte ihren Sitz undihre Quelle vorzüglich in den sogenannten Landsmannschaften, welche an die Stelle der früheren„Nationen" (I. S. 428) getreten waren. Vor allem trieben diese Verbindungen ein tollesSaufen und Toben, pflegten im übrigen ein gewisses Studententum durch Beobachtung be-stimmter Grade und possenhafter Gebräuche, welche jedoch nicht ohne alle moralische Symbolikwaren. Von letzteren, die sowohl beim Trinken, als bei Aufnahme in jene Grade geübtwurden, ist die noch jetzt gebräuchliche Fuchstaufe ein abgeschwächter Rest. Damals hießendie „Füchse" Pennale — was eigentlich Federbüchsen bedeutet, welche die Schüler trugen.Sie waren allen möglichen Plackereien von feiten der älteren Studenten, der Schönsten, aus-gesetzt, die ihnen bessere Kleider, Bücher und anderes Eigentum abnahmen, sie in Lumpenlaufen ließen, zu Knechtsdiensten zwangen und nach Belieben schlugen. Aber schließlich stiegendie Pennale zur Würde ihrer Peiniger auf, um dann ihrerseits wieder andere Pennale zuquälen. In den Studentenkneipen ging es bewegt genug her; von dem begeisterten Freund-schaftsbunde bis zur ekelerregenden Unfläterei lebte sich hier das Studententum aus.