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Viertes Buch. IX. Das dreißigjährige Kriegselend.
Eine andere, mehr offizielle Abstufung war die in Professorenburschen, d. h. beiProfessoren wohnende und gewöhnliche Burschen. Jene hatten eine Menge anerkannter Vor-rechte, im Kolleg und in der Kirche den Vorsitz; man mußte ihnen ausweichen und sie durchAbziehen des Hutes grüßen; ihre Hunde, bezeichnet mit U. U. 8. (Professorenpurschenhund),durften mit ihren Herren die Hallen der Wissenschaft betreten.
Weiter unterschieden sich die Musensöhne in Adlige und Bürgerliche. In Wien hattendie adligen Studenten sogar den Vortritt vor den bürgerlichen Professoren. In Jngolstadtduldeten die Adligen nicht, daß die Bürgerlichen Federbüsche auf den Hüten trugen. DieUniversität Göttingen hatte für gräfliche und fürstliche Studenten ein eigenes prachtvollesJnskriptionsbuch, das denselben ins Haus gebracht wurde, außerdem erhöhte Bänke im Kollegund besondere Sitze in der Kirche. In Tübingen trugen die Adligen im Kolleg den Hutauf dem Kopfe.
Die Universität Altdorf im siebzehnten Jahrhundert.Faksimile eines gleichzeitigen anonymen Kupferstiches.
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Verkleidungen und Maskenzüge, aber auch nächtliches Lärmen aus den Gassen und mut-willige Störung des Gottesdienstes wie selbst der Leichenbegängnisse gehörten im siebzehntenJahrhundert zu den Hauptvergnügungen der Studenten, besonders in Jena. Raufereien warenan der Tagesordnung. Ohne alle Ursache forderten die Studenten nachts einander heraus,indem sie vor den Häusern mit den Degen auf die Steine hieben, daß die Funken davonflogen, tierisch brüllten und schließlich einander blutig schlugen. Es fanden eigentliche Schlachtenstatt zwischen Studenten und Soldaten, Bürgern oder Nachtwächtern, wobei es oft Tote gab.In Hörsäle und Häuser drangen verwilderte Jünger der Wissenschaft bewaffnet ein und schlugenalles zusammen; mißliebigen Professoren und Beamten wurden die Fenster eingeworfen. InTübingen war es ganz gebräuchlich, den Karzer zu erbrechen und die Eingesperrten zu be-freien; die Altdorfer Studenten Pflegten zeitweise die Nachtruhe durch abgebrannte Feuerwerkezu stören; in Göttingen prügelten sie sich vorzugsweise mit den Handwerksburschen, in Jenaaber mit den Bauern der Umgegend, deren Geflügel und Obstgärten die Studenten zu plündernbeliebten.
Gegen diesen gewohnheitsmäßigen Unfug war wenig auszurichten. Die gering besoldetenProfessoren — Luther und Melanchthon, die höchst gestellten in Wittenberg, bezogen jederzweihundert Gulden jährlich — wurden wegen ihrer Nachsicht gegen die Studenten vielfach