Alter und neuer Adel. Die Hoffeste.
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führten oft ein recht ärmliches Leben, wohnten unter Strohdächern, prozessierten, schmarotztenund bettelten; sogar vererbte Anlage, das unmöglich gewordene Raubrittertum wieder auflebenzu lassen, trat unter ihnen zu Tage.
Bei den hohen Festen des Adels wurde jetzt nicht mehr turüiert. Seit der Mitte dessiebzehnten Jahrhunderts waren an den Höfen und Adelssitzen Vergnügungen eingeführt, mitdenen keine Lebens- und Leibesgefahr verbunden war. Darunter tritt namentlich das Ringel-rennen und Ringelstechen hervor, welches man anfangs auch noch Turnier nannte, meistaber als Karussel oder „Ritterspiel" bezeichnete. In glänzendem Aufzuge ritten die Teil-nehmer zum Festplatze. Bei der Kaiserwahl Leopolds I. im Jahre 1658 in Frankfurt eröffnetendie von dem kaiserlichen Kandidaten und den Kurfürsten ernannten Kampfrichter den Zug;dann folgte der „Naistrs äs Oawxo", Graf Adam Trautmannsdorf mit Prächtig geschmücktenPferden, Dienerschaft und Trompetern nebst einem Heerpauker, denen kostümierte Aufzüge
Faksimile eines Kupferstiches von E. von Hülsen aus: „Aigentliche Wahrhaffte Oelinsatiö vnnd Abbildung
aller Fürstlichen Auffzüg vnd Rütterspilen.
Bey deß Durchleüchtigeii Hochgeborncn Fürsten vnnd Herren, Herren Johann Friderichen Hcrtzoge» zu Württemberg rc. rc.wohlangestellter Fürstlichen Kindtauff. Text Bersörtiget durch Georg-Rudolfen Weckherlin. Tübingen 1618."
der Mohren, der „alten Deutschen", der Moskowiter (Russen), der „wilden Männer", derRömer, der Schweizer, der Ungarn, der „Ritter der Amazonen" und der „freien Ritter" sichanschlössen, alle mit Musik und kriegerischem Gefolge. Bei diesem „Turnier", das fünf Stundenwährte, wurde nach einem aufgesteckten Türkenkopf gerannt; mit Javelins (Wurfspeeren) invollem Rennen nach einem Mohrenkopf geworfen; mit derselben Waffe nach der Scheibe ge-schossen. Die höheren Preise bestanden in vergoldeten Gießbecken und Kannen und einem ver-goldeten Springbrunnen, 150 bis 350 Thaler an Wert; einer der höchsten war ein Ring mitvier Diamanten, hundert Thaler wert, den die „kursächsische Prinzessin" gab. Bei anderen„Ringelrennen" oder Karussels wurde im Reiten nach einem befestigten Ringe, nach auf-gehängten Schilden, Adlern oder Köpfen mit der Lanze gestochen, mit dem Speere geworfen,mit der Pistole geschossen oder mit dem Degen gehauen.
Bei bedeutenderen Festlichkeiten war auch das Roßballett eine Belustigung, die zurEntwickelung ceremoniöser Pracht und allegorisch gedachter Einkleidungen der Mitwirkenden denbesten Anlaß gab. Zu Ehren der Hochzeit Kaiser Leopolds I. wurde im Jahre 1667 in Wienauf dein großen Platz der Kaiserburg ein Roßballett abgehalten. Schön geschmückte Gerüste fürdie Zuschauer, die sämtlich dem Adel, ausländischem wie einheimischem, angehörten, faßten den