Aufschwung d. Universitäten u. Wissenschaften. Deutscher Kultureinfluß in Rußland. 281
allgemeinen Aufschwung; die frühere Unbändigkeit der Mehrzahl seiner Glieder wich allmählichmaßvolleren Anschauungen und Lebensgewohnheiten; er begann der Bewirtschaftung seiner Güterobzuliegen, sich mit der Erziehung seiner Kinder zu beschäftigen und auch Kenntnisse in dervaterländischen Geschichte zu sammeln. Die Städte lernten Maßregeln zu Gunsten der Rein-lichkeit und Gesundheit treffen; der Dünger und das Vieh verschwanden aus den Straßen.
Bereits arbeiteten auchdie Deutschen an der Kultur
ihrer zurückgebliebenen östlichen -
Nachbarn, der damals noch„ Moskowiter " genanntenRussen. In Moskau undanderen Städten, wo sie, meistProtestanten, freie Religions-üüung hatten, waren zahlreicheDeutsche ansässig und ihr Ein-fluß konnte sich mit demjenigender Hansa in Nowgorod messen.
Unter den Fremden, welcheder Kulturdespot Peter derGroße in sein Land zog, umseineUnterthanen zu civilisieren,war ein sehr großer Teil ausDeutschland: namentlich Er-zieher, Ärzte, Apotheker, In-genieure, Förster, Schiffbauer,
Schmiede, Seiler, Bergleute,
Gärtner, besonders aber Mu-siker und wohl an tausend Offi-ziere. Freilich bekamen sie dasKnutentum in allen Richtungenzu kosten und wurden vielfachbetrogen, daher auch Schriftenerschienen, die vor dem russi-schen Dienste warnten. Nament-lich der Danziger Martin Neu-gebaucr, welcher Erzieher desunglücklichen Alexei gewesenwar, trat mit einer sehr hef-tigen Schrift auf, die Peterselbst durch Neugebauers Nach-folger den Baron Huyssen,widerlegen lassen zu müssenglaubte, was nicht besondersgelang. Man schlug daher denWeg der Gewalt ein; ihrem
östlichen „Bruder" zuliebe ließen die Herrscher von Preußen und Sachsen jene Warnungsschriftdurch den Henker verbrennen. Friedrich Wilhelm I. ging noch weiter; zum Danke für großeRekruten, welche er aus Rußland erhielt, ließ er gewaltsam Waffenschmiede aufgreifen undsandte sie dem Zaren. Es gab auch deutsche Schriftsteller, welche sich zu Lobschriften auf denZaren bestimmen ließen, so I. G. Rabener, Herausgeber der „Europäischen Fama" in Leipzig;ein anderer schrieb, der Zar habe „die feste Entschließung, der russischen Bosheit ein deutschesGegengewicht zu setzen und durch Hilfe dieses letzteren den alten russischen Sauerteig ganz
Student im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts.Faksimile eines gleichzeitigen Kupferstiches.