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Zweiter Band.
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Fünftes Buch. VI. Der Soldatenkönig und seine Zeit.

Berliner Haartrachten im 18 . Jahrhundert.Faksimiles der Radierungen von Daniel Chodowiecki.Originalgröße.

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zierliche Stahldegen sah unter dem Rocke hervor, reichlichgeschmückt mit bunten Schleifen, und unter der Westehingen aus den Uhrtaschen des Beinkleides die Verlognesder Uhr, deren man gern zwei trug, hervor. Busen-nadeln, Ringe fehlten nicht, und der Dreispitz war mitGoldborde eingefaßt.

Für das Kostüm der Damen brachte die Wende desJahrhunderts eine wesentliche Änderung. Die Fontange(S. 235) fiel, weil eine reizende Tochter Albions inVersailles ihren Sturz herbeiführte, zu Gunsten ganz an-liegender zierlicher Haartracht (Fig. 11, 12, 13). ImWinter und im Hause hüllte man den Kopf in eindunkelseidenes Fichn (Fig. 14). Im übrigen blieben dieBouffanten. Der Oberkörper wurde immer erbarmungs-loser in den Stahlpanzer der Schnürbrust gezwängt. Um1720 wurden wieder große Aufschläge, wie sie an denHerrenärmeln allmählich abkamen, bei den Damen Mode.Gleichzeitig erschien auch der Reifrock; zunächst trat erauf als runde Glocke (Fig. 16, 18), dann seit l775 inDeutschland als vorn und hinten abgeplattetes Gestell,über welches sich nunmehr die Gewänder zu spannen hatten(Fig. 20, 22). Die Röcke, für welche großblumige Stoffein matten Farben Mode waren, wurden mannigfach mitRüschen und volants garniert. Das Kleid bekam wiedereine Schleppe, welche entweder unter dem Mieder (Fig. 18)ansetzte, oder am oberen Saume des Mieders (Fig. 22)angeheftet wurde. Eine sehr häßliche Tracht war dieContouche, eine Art Überkleid ohne Taille mit Brust-ausschnitt, das auch zu eleganterer Toilette getragenwurde (Fig. 18). Am meisten auffallend waren die Haar-trachten jener Zeit, welche durch Kissen, falsches Haar undandere Hilfsmittel bis zu fast unglaublicher Dimension,Wohl fünfzig Centimeter in die Höhe getrieben wurdenund allerlei abenteuerlichen Aufputz durch Bandschleifen,Seidenstücke und Blumen erhielten (Fig. 15,19, 20, 21,22); aus der einfachen Form, dem „Iisrisson^ (Fig. 19,21,22) entwickelten sich die verschiedensten Gestaltungen unterden wechselndsten, lächerlichsten Namen: L la Llinervs, anesrk volant, ä 1a libsrts <le lilineriqns, xsiits laliWaäe(Fig. 15) u. s. w. Auch die Haartracht der Bürgerfraumußte sich diesen Gebäuden anbequemen (Fig. 23); selbstnoch, als man um das Jahr 1780 den Reifrock fortwarf,und in einfachen natürlichen Formen sich die neueste Zeitvorzubereiten begann (Fig. 24, 25). Der Kopfputz,namentlich der Hut, behielt am längsten die steife Artder früheren Zeit (Fig. 24) oder er ward extravagantund wenig kleidsam (Fig. 25, 26, 26a, letzterer simxlsnature genannt), wenn er in Deutschland auch nicht sounförmliche Formen annahm, wie in Frankreich. Ebensomaßvoll wurde in Deutschland das in Frankreich undEngland zu so lächerlicher Geschmacklosigkeit aufgebauschteBrusttuch verwendet. Der Schuh der Damen blieb bis