Einzug preußischer Truppen in eine übergebene Stadt.Faksimile der Radierung von Georg Friedrich Schmidt ( 1712 — 1775 ).
ehrgeizige und herzlose Frau, erfüllte die ihr obliegende Pflicht der Versöhnung nicht; desKronprinzen ältere Schwester Friederike Wilhelmine reizte ihn noch mehr gegen den Königauf. Es wurden Ränke gesponnen; die beiden Geschwister planten gegen Wissen und Willendes Vaters Ehen mit den Kindern des Bruders ihrer Mutter: Prinzessin Wilhelmine sollteden Prinzen von Wales heiraten, dessen Schwester, Prinzessin Amalie, Gemahlin des Kron-prinzen Friedrich werden sollte. Des Königs Abneigung gegen diese Pläne hatte tiefliegendepolitische Gründe. Friedrich, der dieselben nicht verstand und von dem Vater nach seiner Artbarsch behandelt wurde, bereitete seine Flucht vor, welche entdeckt und verhindert wurde. Juüberschäumendem Zorne mißhandelte der Vater die Tochter und 'ließ den Lieutenant Katte,den Freund seines Sohnes, unter dessen Augen enthaupten. Bei der Kriegs- und Domänen-kammer zu Küstrin wurde der Kronprinz durch strenge Zucht und ernste Arbeit zum Preußen,zum Manne umgewandelt. Hier keimten in ihm die Pläne zu seinen späteren weltumgestaltendenThaten auf. Die Erwerbung des polnischen Teiles von Preußen, des Restes von Pommern,sowie der Rheinlande zeigte sich hier Friedrichs sernschauendem Geiste; an seine erste Eroberung,an Schlesien, dachte er noch nicht. Aber er sah Preußens Beruf darin, „die protestantischeReligion in Europa und im Reiche zur Blüte zu bringen, um den Trauernden eine Zuflucht,den Witwen und Waisen eine Stütze, den Armen ein Helfer und dem Unrecht eine Drohungzu sein". Mit Widerstreben arbeitete er sich in die trockene Berwaltungsmaschine hinein undbewältigte sie auch. Noch mehr Selbstüberwindung kostete es ihm dann, als er sich, währendihn die Garnison in Ruppin zum Soldaten machte, vom Vater eine Braut aufdrängen ließ,die er nicht kannte; der König nannte sie „nit häßlich, auch nit schön, ein gottesfürchtigMensch"; im Sommer 1733 ward die Ehe geschlossen. Nachdem der Kronprinz an einemersten Feldzug unter Prinz Eugen im Jahre 1734 teilgenommen, erfolgte eine vollständigeVersöhnung mit dem Vater. Zwei Jahre später bezog Friedrich mit seiner Gemahlin dasneu eingerichtete Schloß Rheinsberg; er war glücklich, jetzt endlich selbständig arbeiten zu können.Hier studierte er die Werke des Philosophen Christian Wolf (S. 285 f.), — in französischerÜbersetzung zwar; aber durch sie wurde in ihm die Aufklärung aus einer Passion zu einer festenGrundlage seines Denkens und Strebens. Der Umstand, daß Voltaire, der damalige litte-rarische Abgott des aufgeklärten Europas, die Philosophie metrisch behandelte, bewog Friedrich,