Friedrich der Große als Schriftsteller. Seine Thronbesteigung.
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König Friedrich II. vor einer beschossenen feindlichen Stadt.Faksimile der Radierung von Georg Friedrich Schmidt <1712—1775).
mit dem gefeierten Schöngeists in Briefwechsel zu treten, in welchem sie für ein Bündnis derKönige und Philosophen zur Heraufführung von Licht und Freiheit schwärmten. So wurdeFriedrich zum Schriftsteller; er schrieb bekanntlich nur französisch, in trefflichem Stil, aber ohneBeachtung der Orthographie. Seine erste Schrift war eine politische Streitschrift gegen Frank-reich. Dann folgte der „Anti-Machiavel", eine Widerlegung der Verzweiflungsschrift desgroßen florentinischen Schwärmers für Italiens Einheit, oder vielmehr der wohlgemeinte Ver-such einer Widerlegung der von Machiavelli angeratenen und zu allen Zeiten angewandtenMittel zum politischen Erfolge. Des Italieners eigentlichen Zweck hat der preußische Kronprinznicht verstanden und ihn daher ein „monstrs« gescholten. Dennoch macht es ihm Ehre, den„Machiavellismus" der Höfe bekämpft und das Vorbild seiner Regierung nicht in Tyrannen,sondern in einem Marcus Aurelius gefunden zu haben. In einem der merkwürdigsten Sätzedes Buches stellt er die kleinen deutschen Fürsten mit den von Machiavelli gegeißelten „Urineixini-'zusammen und sagt von ihnen: „sie richten sich durch übermäßige Ausgaben zu Grunde, welcheder Rausch ihrer eiteln Größe sie zu machen verleitet; sie verderben sich, um den Ruhm ihresHauses zu stützen und schlagen aus Eitelkeit den Weg des Elendes und des Spitals ein; esgiebt keinen jüngsten Prinzen einer jüngsten Linie, der sich nicht ähnlich dünkt wie Ludwig XIV.;er baut sein Versailles, hält seine Maitressen und besoldet seine Armeen". Nicht rühmlicherurteilt der Kronprinz über die geistlichen Fürsten, deren Reichtum er mit Spott überhäuft,und von deren Ländern er sagt, daß sie in höherem Maße von Bettlern wimmeln als alleanderen. Der schönste Teil des „Anti-Machiavel" ist aber die Schilderung des Fürsten, wieer sein soll: des Fürsten, welcher nur Gerechtigkeit gegen sein Volk übt, den religiösen Glaubennicht bedrückt und keinen ungerechten Krieg unternimmt; des Fürsten mit einem Wort, wieFriedrich als König einer gewesen ist, und wie erst seit ihm, nach langer Unterbrechung,wieder welche erstanden sind.
Bald nach der Abfassung jenes Werkes hat er den Thron bestiegen (1740). Es istbezeichnend, daß er eine Krönung mit ihren Festen als „zweck- und sinnlose Förmlichkeiten,welche Unwissenheit und Aberglauben eingeführt haben", beiseite ließ. Aber durch bedeutsameHandlungen feierte Friedrich seinen Regierungsantritt: durch Abschaffung der Folter, der Hexen-prozesse und der Ehehindernisse; durch Vermehrung des Heeres und durch Wiedereinrichtung