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Zweiter Band.
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Friedrichs Thätigkeit für Schule, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft. Z19

der Zölle und der Accise. Mehl, Getreide und das als die „gewöhnliche Nahrung derArmen" geltende Schweinefleisch wurden allerdings von dieser Abgabe befreit; alle übrigenEinfuhrartikel aber unterlagen der schärfsten Untersuchung. In die besten Stellen der oberstenVerwaltung des Zollwesens, welcher später auch das Monopol des Tabaks und des Kaffeesunterstellt wurde, berief der König nur Franzosen, einige hundert an der Zahl; aus ihnenwurden auch Direktorposten mit je sünfzehntausend Thalern Gehalt besetzt — ein Ministerbezog den dritten Teil dieser Summe. Durch ihre Untcrschleise erregte diese Gesellschaftschließlich auch den Zorn des Königs; im Volke aber hatte sie gleich von Anfang an vielböses Blut gemacht.

Wohlthätiger wirkte die Errichtung der preußischen Bank in Berlin mit acht Zweigbankenin den Provinzen, eines auf den solidesten Grundlagen beruhenden Geldinstitutes. Dasselbeverzinste die bis dahin ertraglosen Mündelgelder, half dem Kredit in Handelskreisen auf undthat dem Wucher starken Abbruch.

Daß Friedrich II. den Adel allein eineredeln Gesinnung für fähig hielt und diesedem bürgerlichen Elemente absprach, war einVorurteil, in dem er verharrte, obschon selbstdamalige Edelleute, wie z. B. Eberhard vonRochow, welcher für die Schulbildung unddie Verbesserung des Loses der Lehrer be-deutsam wirkte, den Bürgerstand an Tugen-den und Verdiensten sogar über den Adelstellten. Von bürgerlichen Offizieren wollteder König nichts wissen. Wohl aber erkannteer, daß in weiten Kreisen des Adels Un-wissenheit herrsche und war daher für dieVerbesserung des Unterrichts auf den Ritter-akademien in Brandenburg und Liegnitz sehrthätig. Er kam dem Adel auch hilfreich ent-gegen, um ihn in seinem Landbesitze zu er-halten und traf wirksame Einrichtungen zudiesem Zwecke, so die schlesische, märkischeund pommersche „Landschaft".

Nächst dem Adel war der große Königfür den Bauernstand besorgt. Er brachteOrdnung in die Pflichtigen Dienste des Land-volkes und bahnte die Aufhebung des Flur-zwanges sowie die Verteilung der gemein-schaftlichen Hutungen an. Harte Behandlung der Bauern verbot er und bestrafte streng Edel-leute und Domänenpächter, die dagegen handelten. Die Leibeigenschaft aufzuheben, gelang ihmnoch nicht, da die Landstände bestricken, daß eine solche im eigentlichen Sinne fortbestehe.

Auch die Städte erfreuten sich Friedrichs Fürsorge. Er unterstützte sie bei Feuer- undWasserschaden, und ordnete Verbesserungen der Bau- und der Feuerpolizei an. Im polnischenTeile Schlesiens förderte der König auf Anregung des Ministers von Schlabrendorfs undmit Hilfe des . Abtes Felbiger von Sagan die Kenntnis der deutschen Sprache, zugleich mitder Verbesserung der Schulen. Auch eine Reform der bestehenden, sowie die Gründung neuerGymnasien und Lehrerseminarien bahnte Friedrich an. In alledem, wie auch in den Schrittenzur Hebung der Universitäten war der Minister von Zedlitz die treibende Kraft.

Merkwürdig aber ist, daß Friedrich aus einem entschiedenen Gegner der Jesuiten beiAufhebung des Ordens dessen Beschützer wurde und ihm unter der Bedingung fleißiger Lehr-tätigkeit unter Aufsicht des Staates ein Asyl gewährte. Die Jesuiten hießen nun in Preußen„Priester vom königlichen Schulinstitut", und ihre Güter wurden vom Staate verwaltet. Auf

Porzellan-Medaillon.

Ausformung einest alten Modelles der Berliner Porzellan-Manufaktur, darstellend den Direktor derselben, Grieninger( 1763 — 1798 ) und seine Familie.

Höhe: 285 Millimeter. Berlin, Königl. Kunstgewerbe-Museum.