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Zweiter Band.
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Fünftes Buch. VH. Der alte Fritz.

Lande herbeigeführt wurde (1772), dem preußischen Staate die längst ersehnte Verbindungseiner Hauptgebiete Ostpreußen und Pommern-Brandenburg brachte. Sofort wurde in Berlinmit der Bestimmung auf die Belebung des Handels zu wirken, die „Seehandlung" gegründetund mit Monopolen auf Seesalz und Wachs ausgestattet. Das Land der Polen war verödetund mit Trümmern bedeckt; noch wimmelte es von Wölfen, starrte von Schmutz, und die aus-gehungerten Bewohner waren durch die Pocken und die Pest decimiert. Die Gesetzlosigkeitund Gewaltherrschaft polnischer Wirtschaft hatte aus dem unter dein Deutschen Orden einstblühenden „Kulmerlande" eine mit elenden Lehmhütten besäte Wüste gemacht! Nun galt es,„ Westpreußen", wie Friedrich die willkommene Erwerbung im Gebiete der Weichselmündungennannte, in ein civilisiertes Land zu verwandeln. Sein rechter Arm in diesem Unternehmenwar der seit 1762 in seinem Dienste stehende Finanz- und Kriegsrat Franz Balthasar Schön-berg von Brenkenhoff, welcher schon seit dem Ende des Krieges daran arbeitete, die von denRussen geschlagenen Wunden in der Neumark und Hinterpommern zu heilen. In dem wüstenund verödeten, mit verkommenem Landvolk und ohne Bürgerstand vorgefundenen Westpreußen,wirkte Brenkenhoff namentlich durch Hebung der bisher unterdrückten Deutschen und durch Ein-führung von neuen Ansiedlern deutschen Stammes. Dieselben kamen namentlich aus Schwabenund brachten Vermögen wie Bildung in die beide Güter entbehrende Gegend.

Während der letzten Zeit der Regierung Friedrichs des Großen erzeugte die Landwirtschaftin seinen Staaten so viel Korn, daß damit nicht nur der eigene Bedarf Preußens voll gedeckt,sondern auch ein Teil für die Ausfuhr verwendet werden konnte. In den gewerblichen An-stalten der preußischen Lande waren im Jahre vor Friedrichs Tode 165000 Personenbeschäftigt, deren Arbeit einen jährlichen Gesamtertrag von dreißig Millionen Thalern erzeugte.Davon wurde für vierzehn Millionen Thaler ausgeführt. Schlesien lieferte damals jährlichfür sieben Millionen Thaler und eine seiner kleineren Städte, Hirschberg am Riesengebirge/allein für fast zwei und eine halbe Million Thaler Leinwand. 1300 preußische Schiffefuhren das Jahr über durch den Sund. In seinem letzten vollen Lebensjahre (1785) gabFriedrich für Vergrößerung der Städte, Förderung der Gewerbe und Landwirtschaft und fürdie Armenunterstützung beinahe drei Millionen Thaler aus; seit dem Kriege überhaupt hatteer für diese Zwecke fünfundvierzig Millionen Thäler aufgewendet. Bis zu seinem Endebrachte Friedrich der Große sein Reich auf sechs Millionen Einwohner, sein Heer auf zwei-huuderttausend Mann und seinen Schatz auf fünfundfünfzig Millionen Thaler.

Der große Mann und seltene Fürst durfte in der Nacht vom 16. zum 17. August 1786ruhig und im Bewußtsein eines vollbrachten großen Lebenswerkes hinscheiden und nicht nurseinem, sondern dem gesamten deutschen Volke in seinem Testamente ein Beispiel hehrsterHandlungsweise hinterlassen.

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Berliner Prediger des achtzehnten Jahrhunderts. Faksimile der Radierung von Daniel Chodvwiecki.