Faksimile der Radierung von Salomon Geßner (1730—1787). Originalgröße.
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Achter Abschnitt.
Die große Aaiserin und ihr Sohn.
Is^er aufgeklärte Absolutismus, welcher in Friedrich dem Großen seinen ersten Ausdruck inEuropa fand. hat in Deutschland nach ihm nur noch einen großen Vertreter gehabt, seinenjüngeren Zeitgenossen Kaiser Joses II. Wie in Preußen, so ist aber auch in Österreich diesedas achtzehnte Jahrhundert charakterisierende Staatssorm, die in allen Monarchien des europäischenFestlandes ihre Zeit hatte, aus inneren Verhältnissen herausgewachsen. Die diktatorische Regierungwar in den beiden größten deutschen Staaten da. ehe sie noch aufgeklärt wurde: dort in nord-deutscher, hier in süddeutscher Färbung. Wie die protestantisch-orthodoxe GewaltherrschaftFriedrich Wilhelms I. der aufgeklärten Despotie Friedrichs des Großen vorgearbeitet hatte, sodie kirchlich-katholische Regierung Maria Theresias dem gebieterischen Toleranz-System ihresSohnes, welches sie überhaupt erst möglich gemacht hat.
Wenn der neueste Geschichtschreiber dieser denkwürdigen Frau. der persönlich achtungs-wertesten Selbstherrscherin in der Weltgeschichte, sagt. sie habe „es erreicht, daß man Österreichals eine Monarchie mit der Gemeinsamkeit der Interessen aller österreichischen Völker an-erkannte." so ist damit auch ausgesprochen, daß diese Monarchie aus dem Zusammenhangedes deutschen Reiches herausgetreten war und nunmehr dem Range nach selbst an Stelle desalten Reiches, dem sie freilich nur zum kleineren Teil angehörte, stand, während sie die übrigenStaaten sich selbst überlassen hatte.
Maria Theresia konnte als Frau die deutsche Reichskrone nicht tragen. Sie war Kaiserinnur als Gattin des Kaisers Franz I.. der hinwieder in Österreich persönlich nichts zu regierenhatte und dort nur eine Art von Minister seiner Gemahlin war. Aber ihr Kaisertitel undihre Herrschaft bewirkten, daß man seit ihrer Zeit den Beherrscher Österreichs, den es jafrüher als solchen in einheitlichem Sinn nicht gegeben hatte und welchem auch jetzt noch kein der-artiger Titel zukam, als ..den Kaiser" schlechtweg betrachtete und dabei an den deutschen Kaiserkaum mehr dachte: bis dies thatsächliche Verhältnis auch in die Form und das Recht übergingund der deutsche Kaiser (1806) klanglos verschwand.
Maria Theresia war von dem wärmsten Streben erfüllt, das Wohl ihrer Völker zufördern. Sie hätte eine Muster-Monarchin genannt werden können, wenn ihr nicht das
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