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Fünftes Buch. X. Die Aufklärung iu Litteratur und Kunst.
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WWZ
Dorfstraße.
Faksimile der Radierung, 1745, von Christ. Wilh. Ernst Dietrich (1718—1774). Originalgröße.
beiden größten Italiener, Raphael und Michelangelo ihn noch beeinflussen, er selbst aber ver-sammelte die Kunstwelt von Rom in Bewunderung vor seinen großartigen Schöpfungen. InCarstens war der klassische Geist der Griechen lebendig; durch ihn erstand in Wirklichkeit, wasWinckelmann gelehrt hatte. Die Technik der Malerei blieb diesem groß angelegten Künstler-charakter säst fremd. In Umrißzeichnungen und in Kartons behandelte er seine Stoffe, dieweitaus vorwiegend der Sagenwelt des klassischen Altertums und der Allegorie entnommensind. Ein früher Tod entriß Carstens der Kunst, in der sein bedeutendster Nachfolger derDäne Thorwaldsen wurde.
Der für die Zeit der Aufklärung besonders charakteristische und namentlich für die Kultur-geschichte interessanteste Künstler ist Daniel Chodowiecki aus Danzig (1726—1801). Erwirkte in Berlin, wo er im Jahre 1764 Rektor der Akademie der Künste wurde. InnereGröße besitzt sein künstlerisches Schaffen nicht. Der Wert seiner Arbeiten liegt in derGenauigkeit der Beobachtung, in der Treue der Wiedergabe und im Reiz der Zeichnung.Chodowiecki hat nur wenig gemalt; er war vorwiegend Radierer und Kupferstecher. Er hateine sehr große Anzahl von Blättern ausgeführt, in denen sich das Leben des achtzehnten Jahr-hunderts nach allen Seiten hin auf das getreueste dargestellt findet, so daß sein Werk imganzen zu einem Spiegel der Sitten und vieler Zustände seiner Zeit geworden ist. Daherdenn auch die entsprechenden Abschnitte dieses Buches viele Nachbildungen von RadierungenChodowieckis enthalten. Auch als Illustrator der Dichter und Schriftsteller der Aufklärungs-periode war dieser Künstler äußerst beliebt und sehr fruchtbar. — Der meist begehrte Bildnis-maler dieser Zeit war der Schweizer Anton Grafs (1736—1813), der, wie er selbstangegeben, 1240 Porträts gemalt hat. Als Geschichts-, Genre- und Landschaftsmaler ent-wickelte Christian Wilhelm Ernst Dietrich (1712—1774), der in Dresden zur Zeit desGrafen Brühl Hofmaler des Königs August II. war, eine vielseitige Thätigkeit. Er leitetean der Meißener Porzellanmanufaktur eine Zeit lang die Malerschule und wurde dann ander Dresdener Kunstakademie Professor. Neue Ziele, eine weiterbildende Richtung erhielt dieKunst von ihm nicht; seine Bilder beruhen wesentlich auf den alten niederländischen Meistern.Am glücklichsten war er in der Landschaft, auch wenn er statt des Pinsels die Radiernadelfiihrte, mit der er sich feinsinnig und geschmackvoll auszudrücken wußte.