Grundlegung zur Kunstwissenschaft. Die Malerei des 18 . Jahrhunderts. Z59
Denn auch im künstlerischen Schaffen selbst fehlte es noch durchaus an bahnbrechendenGedanken. Die Aufklärung hatte wenig, teilweise gar keinen Sinn für die Kunst; Friedrichder Große zerstörte mittelalterliche Bauten, wie das Ordensschloß von Marienburg. EinemKlopstock und selbst einem Lessing waren die Wunder der Gotik ein Geheimnis. KasernenhafteGleichmacherei herrschte in der damaligen Baukunst. Die Bildnerei feierte fast ganz. Nur inder Malerei hob ein Erblühen besserer Zeiten an. Es nahm seinen Anfang auf italienischemBoden unter den deutschen Malern, die Italien als die wahre Heimat ihrer Kunst ansahen undeinen großen Teil ihres Lebens in Rom arbeiteten. Der antik fühlende Rafael Mengs (1728bis 1779) strebte das Schönheitsideal der Alten mit der seelischen Innigkeit der großenitalienischen und spanischen Meister zu beleben. Er erreichte dieses Ziel nicht; seinen Altar-gemälden, wie seinen der antiken Götterwelt entlehnten Bildern mangelt die echte Wärme;aber edle Komposition und Formenschönheit zeichnen seine Schöpfungen aus, in denen derMaler zur That machte, was Winckelmann im Fache der Plastik dachte und schrieb. Dievon Mengs in der Malerei begonnene klassizistische Richtung setzte Wilhelm Tischbein (1751bis 1829) fort, der indes hinter seinem Vorgänger weit zurückblieb; das interessanteste Bild
Daniel Chodowiecki auf der Reise nach Dresden, im Jahre 1789.Faksimile einer Radierung von ihm selbst.
von ihm stellt seinen Freund Goethe auf den Ruinen Roms dar. Unter den Landschafts-malern dieser Zeit genießt Philipp Hackert (1737—1807) den größten, wenn zum Teil auchunverdienten Ruhm. Er sah die Natur sehr nüchtern an und gab sie, wie er sie sah, ohnebesondere künstlerische Eigenart in einer bedeutenden Zahl von Gemälden und Zeichnungenwieder. Es fehlte ihm ebenso sehr an Originalität, wie der empfindsam auffassenden Schwei-zerin Angelika Kaufmann (1741—1807), welche historische und allegorische Bilder, Porträtsund Fresken malte; sie war eine liebenswürdige, feinsinnige Künstlerin, in deren WerkenReinheit der Linien und Anmut der Formen erfreuen, aber ohne tiefere Kraft. Vorhandenwar dieselbe in dem genialen Asmus Carstens (1754—1798), einem Schleswiger, dem einegroße Begabung zum Zeichnen eigen war und den die Anschauung der Gemälde im Dom zuSchleswig mit bedeutenden Anregungen erfüllt hatte. Erst nach Überwindung vieler Wider-wärtigkeiten konnte er seinem tiefen Zuge zur Kunst folgen und an die Kopenhagener Akademiegehen, von der ihn aber der Drang seiner selbständigen Natur, aus welcher ihm allerleiGegensätze und Kämpfe erwuchsen, bald wieder vertrieb. In einer Zeit schweren Ringensstellte er sich ganz auf sich selbst und gestaltete in jahrelangem Arbeiten ohne Rast seineneigenartigen Stil aus. Als er im Jahre 1792 nach Rom kam, konnten nur die Werke der