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Zweiter Band.
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Soldatenhandel. Natursch wärmerer.

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und nach die Befreiung Mosers, die Entlassung Montmartins und endlich (1778) auch diedemütige Abbitte des Herzogs vor seinem Volke herbei. An der Besserung dieses Fürsten,welche nun eintrat, hatte das gefeierte „Fränzele", die nachherige Herzogin Franziska(von Hohcnheim), die aus einer Maitresse zur Wohlthäterin des Landes wurde, großen Anteil,doch konnte sie ihn nicht gänzlich von seiner Neigung zu Gewaltthaten heilen.

Eine tiefe Mißstimmung gegen die „Tyrannen" hatte sich infolge der Handlungsweisemehrerer ihrer Fürsten der Deutschen bemächtigt; sie war es, die sich bald in „Sturm undDrang" auf verschiedene Art und Weise äußerte. Dieser Titel eines an sich unbedeutendenDramas von Klinger, das aber bezeichnenderweise mit dem Soldatenhandel nach dem um dieFreiheit ringenden Amerika zusammenhängt, wird in der Regel lediglich in litterarischemSinne gebraucht. Man versteht darunter die Zeit dichterischen Schaffens von der bahnbrechen-den Arbeit Lessings, die am Ende des siebenjährigen Krieges mit „Minna von Barnhelm"vollendet war, bis zum Beginne ruhiger, maßvoller Dichtung in klassischer Form, wie sie zurZeit des Freundschaftsbundes zwischen Schiller und Goethe nach dessen Rückkehr von seineritalienischen Reise, kurz vor dem Ausbruche der französischen Revolution zur Entfaltung kam.Das in dieser Zeit währende regellose Stürmen und Drängen auf dem Felde der Dichtungvertritt in Deutschland die Stelle der Revolution, zu welcher unser Volk bei seiner politischenZersplitterung weder die Macht, noch bei seinem Gemütsleben die Energie besaß und außer-dem infolge der Reformen seiner größeren Fürsten auch nicht Grund genug hatte.

Dieses litterarische Leben und Treiben war aber keine vereinzelte Erscheinung, sondern esstand in engem Zusammenhange mit weit, ja allgemein verbreiteten Regungen und Stimmungen,welche je nach der Anlage der Beteiligten und der durch die Zeitereignisse Aufgeregten, diedoch nur zum kleinen Teile Dichter waren, einen verschiedenen Charakter annehmen mußten,in welchem sich indessen überall das ungestüme Drängen nach besseren Zuständen vornehmlichkundgab.

Zu den in weiteren Kreisen herrschenden Gemütszuständen, welche als dem „Sturmund Drang" verbunden und vielfach ähnlich angesehen werden können, gehören die Schwärmereifür die Natur, die Empfindsamkeit in der Liebe, die Empfänglichkeit für das Wunderbare unddie Hinneigung zum Geheimbundwesen. Unter den von jenen Strömungen beherrschten engerenKreisen aber steht neben demjenigen der dichterischen Stürmer und Dränger die Gruppe derdie Welt des Wissens nicht mit dem Maßstabe der Vernunft, sondern mit dem der Phantasieund des Glaubens messenden Gelehrten. Auch die bereits unter den Erscheinungen des Zeit-alters der Aufklärung betrachteten Bestrebungen einer Reform des Erziehungswcsens würdenhierher gehören, wenn sie nicht mit der Aufklärung ein noch stärkeres Band als mit demrevolutionären Dränge verknüpfte. Denn sie haben ihren geistigen Urheber, den Prophetender Revolution Jean Jacques Rousseau (S. 342), mit der hier zuerst zu behandelndenStimmung der Naturschwärmerei gemein.

Die Freude an den Reizen der Natur hängt eng mit dem Widerstreit gegen dasBestehende zusammen. Wer dieses unerträglich findet, flüchtet sich gern in die Freiheit derNatur und Preist sie nicht allein nach Herzenslust, sondern mißt nach ihr die gesellschaftlichenZustände, die ihn nicht befriedigt haben, ab. Das Altertum und Mittelalter, welche nur eineauf lokale und nationale Verhältnisse beschränkte Opposition gekannt hatten, besaßen auch nurfür Einzelheiten der Natur Empfänglichkeit. Erst die Neuzeit, welche statt der Typen jenerenger eingegrenzten Zustände Charaktere von allgemeiner, kosmopolitischer Bedeutung geschaffen,hat es auch gelernt, von der Natur Gesamteindrücke zu empfangen und einen lebendigen Sinnfür große Scenerien des Naturlebens kundzugeben. Man darf sagen, daß in der vielsprachigen,ein Weltbürgertum im kleinen nährenden Schweiz die Majestät der Alpenwelt, mit ihren Eis-gipfeln, Gletschern, Wasserfällen und Felswänden die Keime zu jener umfassenderen Natur-auffassung in das Menschenherz gesenkt hat. Tschudi und Scheuchzer haben diese gewaltigeGebirgswelt beschrieben, Geßner hat sie in Zeichnungen künstlerisch dargestellt, Haller hat siebesungen. Seit etwa dem Jahre 1750 nahmen von Bern aus die Besuche der Gletscher imOberlande ihren Anfang, während zugleich von Genf aus, besonders seit der Besteigung (1787)