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Zweiter Band.
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Der Hainbund. Wirkung von Goethes „Götz".

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Heinse (1749—1803), welcher ganz in der Begeisterung für die Antike lebte und webte, dendiese Schwärmerei jedoch in seinen Schilderungen zur berechneten Feier der Lüsternheit undÜppigkeit verführte.

Beinahe gleichzeitig mit diesen Vorläufern einer neuen Richtung im deutschen Denkenund Dichten, diesem glühenden Morgenrot eines neuen Tages, ging auch das leuchtendeDichtergestirn auf, welches in der vollen Vielseitigkeit eines ganzen Mannesdaseins zuerstder Stolz des Sturmes und Dranges, sodann die Zierde der maßvollen Klassik und endlichim Alter der ironische Tonangeber der Romantik wurde. Drei Gestaltungsphasen der neuerendeutschen Dichtung hat als Stern erster Größe beleuchtet Johann Wolfgang Goethe, den am28. August 1749 in Frankfurt am Main die gemütvolle „Frau Aja", geborene ElisabethTextor, dem kaiserlichen Rat Johann Kaspar Goethe schenkte. Bekannt sind die Verse, in denender Dichter sagt, was er von Vater und Mutter habe; aber was er seinem Volke und seinerZeit wurde, das hatte er von anderen Eltern. Der Vater seines Genius war Shakespeareund die Mutterstelle daran vertrat sein älterer Freund Herder. Was dieser Einwirkung anEindrücken der Erziehung und Umgebung voranging, hat Goethe selbst in seiner unsterblichenSchilderung in „Dichtung und Wahrheit" erzählt. Die dritte bedeutsame Einwirkung auf ihnkam aus der reinen süßen Liebe der stillenund tiefen Seele Friederike Brions inSesenheim bei Straßburg, in welcherStadt Goethe im Jahre 1770 auch Herderkennen lernte. Da fingen Sturm undDrang an, in seinem Geiste zu wühlen;da blickte er, an des großen Briten Hand,sich in der Geschichte um und haftetezuerst, angeregt von Justus Mösers ihrIdeal im Mittelalter findenden Aufsätzen,an den Zeiten des Faustrechts, für welcheser in echter Krastgeuieweise schwärmte,und unter dessen Gestalten vor allein diedes Ritters mit der eisernen Hand, Götzvon Berlichingen, von seiner PhantasieBesitz nahm. Daraus wurde das deutschehistorische Drama (1771), geboren inGestalt eines wilden Aufbäumens gegendie Gewalten des Staates und der Gesellschaft, deren Spitzen (und des Dichters eigene Un-treue!) in Weisungen und Adelheid in ihrer ganzen Verdorbenheit gemalt wurden. Mit demRufe „Freiheit, Freiheit!" schloß das Stück, dessen ersten rohen bühnenwidrigen EntwurfHerders Anleitung und Lessings Vorbild feilten. So verbessert, rief es eine wahre Umwälzungunter den gebildeten Geistern Deutschlands hervor (1773). Die schlummernde Vaterlandsliebeerwachte aufs neue; mau glaubte, sie durch Versenkung des Geistes in die Zeiten tapfererThaten zu nähren und zu stärken. Mittelaltcr und Rittertum wurden Mode; Nibelungenliedund Minnesänger fanden größere Aufmerksamkeit; alles rasselte von Harnischen und Helmenund klirrte von Schwertern und Spießen. Hans Sachs und Albrecht Dürer gelangten wiederzur Geltung. Goethe aber, seine Vorbilder weiter rückwärts, namentlich auch im klassischenAltertum suchend, erzog sich unablässig, unnachsichtig und ungeblendet durch seinen Ruhm, zueiner Vielseitigkeit, die keine ihm bekannt gewordene geschichtliche Blüteperiode unbenutzt ließund die au keiner einseitigen Richtung mehr Gefallen finden konnte. Ihn fesselte weder dieeiskalte Aufklärung, noch die ungesund warme Frömmelei; er wußte sich zu jener hellenischenFreiheit empor zu schwingen, die, wie Spinoza, ihren Gott in der Natur fand. Aber eheer durch diese Studien zur klassischen Ruhe gelangte, mußte er den Sturm und Drang nochvöllig auskosten. Durch das bürgerliche Trauerspiel, welches in „Clavigo" ein erweitertes Be-kenntnis seiner Unstetigkeit iu der Liebe erhielt, sprang Goethe znm Extrem des „Götz", zum

Faksimile des Titelkupfsrs von Chodowiecki zu GoethesLeiden des jungen Werther. Originalgröße.

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