Band 
Zweiter Band.
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Faksimile der Radierung von Salomon Gcßner.Originalgröße.

Zweiter Abschnitt.

Die klassische Blütezeit des deutschen Geisteslebens.

)Iuf der Grenzscheide des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts erhebt sich in Deutsch-land ein herrlicher Tempelpalast im Stile der Frührenaissance. Die edelsten Formenzieren seinen Aufbau, nicht entstellt von kleinlicher, fremde Muster nachahmender Künstelei.Durch die hohen breiten Fenster fällt Helles Licht auf die in ruhigen, satten Farben glänzenden,klassische Gestalten und Scenen in edler Einfachheit darstellenden Bilder der geräumigen Säle.Die Helden und Heldinnen aller Nationen prangen hier ohne Mißton in Haltung und Ge-bärde als hoheitvolle Statuen, und an den Feldern der Fassade erblicken wir in harmonischerVerteilung die Charakterköpfe: Goethe, Schiller, Kant, Fichte, Pestalozzi, Mozart und Beethoven.Rings um den Palast aber dehnt sich ein grünender und blühender Park, reich an edelnFruchtbäumen und bunten Blumen aller Länder, erfüllt von dem melodischen Gesänge derVögel. — Keinem anderen Volke ist vergönnt gewesen, die Blüte seines Geisteslebens auf soweit vorgerückter Stufe und in einer so ganz aus eigenen Kräften hervorgezauberten Kulturzu feiern. Aber auch keinem anderen Volke war der Schmerz beschieden, eine so hoheklassische Kultnrblüte in einer Zeit zu erzielen, in welcher sein politisches Dasein in Fragegestellt, seine staatliche Macht aufs tiefste gesunken war und das alte, einst glänzende, aberin langem Verfalle zerrüttete Reich der Deutschen ohne aufregenden Todeskampf, ganz imstillen, seine völlige Zertrümmerung erfuhr, die länger als ein halbes Jahrhundert andauernsollte. Diese neue und größere Blüte deutschen Geistes erschloß sich einige Jahre vor dem Aus-bruche jener wilden Revolution im westlichen Nachbarlande, die in der Folge ihre Sturzwellen