Revolutionäre Einflüsse und Stimmungen.
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beinahe über ganz Europa hinwarf; sie begann mit einer auf allen Gebieten der Kunst unddes Lebens sich geltend machenden Anlehnung an das klassische Altertum (S. 359 ff.), die soweit alle Verhältnisse durchdrang, daß sie sich sogar bei manchen Truppen in der Einführungvon Helmen antiker Form äußerte. Es war eine neue, aber mit nationalen Zielen verbundeneund in nationaler Sprache sich kundgebende Renaissance der Antike.
Die französische Revolution, hervorgerufen durch beinahe zweihundertjährige Ausbeutungdes Volkes unter dem Despotismus der Nachfolger Heinrichs IV., nahm einen Charakter an,welcher mit ihrer Veranlassung eine erschreckende Ähnlichkeit hatte. Geradezu die Vernichtungjener Freiheit, welche in ihr zuerst angestrebt worden war, schien durch die Revolution herbei-geführt zu werden. Denn nach Beseitigung des „dritten Standes", von welchem die maßvollenAnfänge jener Umwälzung ausgegangen waren, trat (1791) an die Stelle der Gewaltherrschaftabsoluter Fürsten und ihrer Günstlinge ein brutal-gewaltsames Regiment von Raub- und Mord-gesellen, der Schrecken an die Stelle der Furcht, das Elend an die Stelle der Not. Jahrelangmordeten die Träger der Republik wenig schuldige und viele unschuldige Menschen, ganze Massenbloß verdächtiger Anhänger der Monarchie, und schließlich mordeten sie einander gegenseitigselbst! Und nachdem der rote Schrecken im Blutrausche der Guillotine, der Mitrailladen undder Noyaden ausgetobt, wütete infolge der Festsetzung von Zwangspreisen für eine Menge vonGegenständen des täglichen Bedarfs der „weiße Schrecken" an seiner Stelle; monarchisch-klerikaleGegner metzelten jetzt selbst ganz unverdächtige Anhänger der Revolution mit Weibern undKindern hin. Und so wurde von beiden Seiten gemordet, bis der Krieg, den die angeblicheRepublik, in Wirklichkeit eine Parteiherrschaft weniger Gewalthaber, gegen ihre Feinde, d. h.gegen das ganze übrige Europa führte, dem inneren Wüten ein Ende machte.
Schon vor dem Ausbruche der französischen Revolution hatte, wenn auch auf beschränktemGebiete, Deutschland ähnliche Zuckungen gesehen. Auf der Insel Rügen waren Bauernaufständeaufgeblitzt, in denen Edelleute erschlagen worden waren. Seit dem Ausbruche der Revolutionbemerkte man in vielen anderen Gegenden unter den Bauern, wenn ihnen der Schulmeister dieZeitung vorlas und erklärte, eine wachsende Erregung. In der Pfalz und am Oberrheinbegann sie sich in Unruhen und Dienstverweigerungen zu äußern und schon im Jahre 1790gedieh sie in Kursachsen, zuerst auf den Gütern der Grafen von Schönburg, zu völligem Auf-ruhr. Die Bauern versagten die Abgaben; mit Keulen bewaffnet, schlugen und vertrieben siedie Gerichtshalter; den Ruhigbleibenden drohten sie mit Feuer und Schwert, und in stetsanwachsenden Haufen verlangten sie Nachlaß von ihren Lasten. Diese Empörung wurde leicht-unterdrückt und die Beteiligten milde behandelt; innerhalb eines Jahres entließ man sie ausdem Gefängnis, bis auf den Verfasser einer dem Aufstande vorangegangenen Flugschrift, welcherals Wahnsinniger auf Lebenszeit in Torgau festgesetzt wurde. Ein weniger hartes Schicksalerlitt der preußische Oberzollrat von Held, der in leidenschaftlichen Schmähschriften gegen dieRegierung hohe Beamte des Betrugs und der Erpressung anklagte und den König beschuldigte,daß er keine Wahrheit hören wolle; er wurde zuletzt freigesprochen.
Zur Rührung revolutionärer Gesinnung trug viel das Verhalten der sogenannten Emi-granten bei, jener Anhänger der alten Ordnung in Frankreich, welche seit dem Ausbruche derRevolution, vor derselben fliehend, das westliche Deutschland überschwemmten; von den Landes-herren, besonders den geistlichen Fürsten wurden sie gastfrei aufgenommen, erregten aber durchihren Übermut und ihr zuchtloses Leben allgemeines Ärgernis. Ihre zusammengelaufenenSöldnertruppen, welche gegen ihr Vaterland kämpfen wollten, wurden selbst von den ver-kommensten Teilen der sogenannten Reichsarmee verachtet. Abgestoßen von diesen Vertreterndes „Thrones und Altars", wandte sich die rheinische Bevölkerung den Ideen der Revolutionzu. Selbst Hochstehende schwärmten für die Menschenrechte, wurden aber, als dieselben ihrepraktische Auslegung durch das Fallbeil erhielten, bald von ihrer Schwärmerei geheilt.
Neue Aufregungen und neue Enttäuschungen erlebten die Deutschen, als die Heere derRepublik, obschon zerlumpte Banden, bei denen aber politische Begeisterung den Mangel anUniformität und Disciplin ersetzte, die Reichsgrenzen überschritten. — Am 19. November 1792hatte der französische Konvent in die Welt hinaus verkündet, daß Frankreich allen Völkern
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