Dcmagogenhetzc. Kirchliche Reaktion.
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Spitze stand, der ohne alle Rücksicht auf gesetzliches Verfahren schuldlose und hochgeachteteMänner in Kerkern schmachten ließ oder zur Landesflucht zwang, und doch keinen einzigenHochverräter entdeckte. Die Burschenschaft wurde aufgelöst, das Turnen verboten. Metternichversuchte sogar, in der „Wiener Schlußakte" den Verfassungen ein Ende zu machen, wogegensich aber die Mittelstaaten entschieden wehrten. Dagegen wußte der allmächtige österreichischeMinister aus dem Bundestage alle nur einigermaßen freisinnigen Mitglieder, an deren Spitzeder Württembergische Gesandte Freiherr von Wangenheim stand, zu entfernen. Die Reaktionwar vollendet; wie ein Alp lastete sie mindestens ein Jahrzehnt, an manchen Orten nochlänger auf dem deutschen Volke und machte sich auf allen Lebensgebieten, namentlich aber in derReligion und der Kirche, bemerkbar.
Nachdem Papst Pius VII. im Jahre 1814 als Fürst des Kirchenstaates wieder eingesetztworden war, bestanden seine ersten Handlungen in der Wiederherstellung des Jesuitenordensund der Inquisition, sowie in der Verdammung der Freimaurerlogen, auf welche später sogardie der Bibelgesellschaften folgte. Es war nur natürlich, daß die dadurch bekundete Richtungsofort die herrschende inder katholischen Kirchewurde. Ein Dorn imAuge war ihr dermilde, edelgesinnte Kon-stanzer GeneralvikarWessenberg (S.399).
Geistreiche, aber vonmystischen Ideen er-füllte Theologen, welchedas römisch-päpstlicheSystem wissenschaftlichzu begründen strebten,arbeiteten im Vereinemit dem päpstlichenNuntius in der Schweiz,in welcher zu jenerZeit die aristokratischenRegierungen wieder zurHerrschaft über dieälteren Städtekantone
gelangten, an der Lostrennung vom Bistum Konstanz. Schnell genug erfolgte dieselbe. Um-sonst verwendete sich Wessenberg beim Wiener Kongreß, unterstützt von seinem Bruder, derösterreichischer Minister war, für eine nationale Einrichtung der deutschen Kirche: der als Ge-sandter des Papstes anwesende Kardinal-Staatssekretär Consalvi schlug ihn mit leichter Mühe.Als er dann im Jahre 1817 vom Domkapitel zum Bischof erwählt worden war, versagte derPapst seine Bestätigung. Da verlor der edle Wessenberg den Mut, und als zehn Jahre spätersein Bistum sogar aufgelöst und an andere Hochstifter verteilt wurde, trat er in das Privat-leben zurück. Überall war der ultramontane Geist der siegende. Baiern setzte seine protestan-tischen Unterthanen den Katholiken hintenan und schloß im Jahre 1817 mit dem päpstlichenStuhle ein Konkordat. In Österreich wurden die Protestanten nur widerwillig geduldet. Preußenwurde dahin gebracht, in der „Circumskriptionsbulle" der Kurie weitgehende Rechte einzuräumen.Der Erzbischof von Köln verdammte die Lehre des Bonner Professors Hermes, welche demStandpunkte Wessenbergs ähnlich war. Das im Jahre 1822 erschienene Lehrbuch des Kirchen-rechts von Walter trug einen entschieden klerikalen Charakter und ging soweit, die Bei-behaltung alter Meßbücher zu verfechten, welche schon zwölf Jahre vorher Professor Winterin Landshut als dem Aberglauben dienend und damit den Unglauben fördernd bezeichnet hatte.In den Klöstern, namentlich in den österreichischen, wurde die ganze Strenge der Zucht früherer
Studentenleben um 1820—1830: Kneipe.Faksimile eines gleichzeitigen anonymen Kupferstiches.