Erzrelief am Denkmal Thaers (S. S-t7) zu Berlin. Letztes Werk Ehr. Rauchs, von Hagen vollendet.
Fünfter Abschnitt.
Volksleben der ersten Hälfte des neunzehnten
Jahrhunderts.
(V^he die Darstellung zu den auf die Restaurationszeit folgenden bewegteren Epochen über-geht, mag es am Platze sein, auf die sowohl während ersterer, als auch vorher undnachher in unbestimmt begrenzten Zeiträumen waltenden stetigeren Sitten und Zustände unterdem deutschen Volke einige Blicke zu werfen.
Deutschland war durch die langjährigen Kriege zum ärmsten Lande Europas geworden undblieb dies auch nach wem Frieden, dank dem im „Deutschen Bunde" herrschenden politischenSystem. „Handel, Gewerbe und Ackerbau seufzten unter den Nachwehen des Krieges, mancheQuellen des Erwerbs waren gänzlich versiegt oder drohten zu versiegen." Die Zölle, welcheauf allen Land- und Wasserstraßen erhoben wurden, hemmten den Verkehr. In Mecklenburgallein gab es mehr als achtzig Zollstätten, unter denen indes nur die Armen litten, währenddie „Ritter" nichts bezahlten. Hier bestand auch die Leibeigenschaft noch fort. In Kurhessenkehrten die Frondienste wieder. Dazu kam die furchtbare Hungersnot der Jahre 1816 und1817, die infolge des monatelang anhaltenden Regens und des Austretens aller Flüsse herein-brach. Die süddeutschen Einzelstaaten „sperrten ihre Grenzen und brachten den Getreidehandelzum Stocken". Unter diesen Nöten erstarb jedes Interesse an politischen Fragen.
„Das langentbehrte Reisen war seit dem Frieden wieder möglich geworden; „Führer" be-gannen Ratschläge für Gebirgswanderungen zu geben und Reisehandbücher dem neuerwachtenInteresse entgegen zu kommen. Man zog in die deutschen Mittelgebirge, hinauf nach den Felsendes Meißener Hochlandes, und wußte die romantischen Reize der Landschaften und die sagen-haften Erinnerungsstätten der vaterländischen Geschichte andachtsvoll zu genießen. Infolge derallgemeinen Verarmung hörte das früher so beliebte Reisen zu Pferde allmählich auf. AlsErnst Moritz Arndt in seinen jungen Jahren die deutschen Lande zu Fuß durchstreifte, fander überall nur Handwerksburschen als Reisegefährten; jetzt kam, von der Turnerei beeinflußt,das Fußwandern bei der gebildeten Jugend wieder zu Ehren. Eine neue Welt unschuldigerFreude ging derselben auf, seitdem überall in Thüringen, Franken und am Rhein zur Sommers-zeit fröhliche Scharen von Studenten, Turnern und Künstlern ihres Weges zogen und jede