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Zweiter Band.
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Die Malerei des neunzehnten Jahrhunderts.

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Ausdruck kamen. „Mit moderner Naturempfindung' durchsättigte" dann Franz Dreber ausDresden (f 1875) „die stilisierte Landschaft" und erfüllte sie mit seelischem Leben.

Eine andere Gruppe „setzte der Antike das Mittelalter, dem Olymp den christlichenHimmel, den Heroen die nationalen Helden entgegen". Es war die bereits (S. 430) erwähnteromantische oder nazarenische Schule. Diese christlichen Maler behaupteten, daß Empfindungund Begeisterung allein die Quellen künstlerischen Schaffens seien. In Rom hatten sie ihreStätte in einem aufgehobenen Kloster, Mönchen ähnlich, aufgeschlagen. Wilhelm von Humboldt,als preußischer Ministerresident in dem damals unter französischer Herrschaft stehenden Rom,der Historiker Niebuhr und der Kronprinz (später König) Ludwig von Baiern waren es, welchenach der Herstellung des Kirchenstaates diese Schule unterstützten und aufmunterten. DasHaupt derselben war der Lübecker Friedrich Overbeck (1789—1869), eine tief religiöse Natur,die in allen seinen durch große Schönheiten der Komposition und einfach edle Auffassung aus-gezeichneten Bildern wirksam ist. Mit seinen Freunden Wilhelm und Rudolf Schadow, denSöhnen des großen Bildhauers, und anderen Malern wurde er im Jahre 1814 katholisch,worin der Historienmaler Philipp Veit, der Sohn von Dorothea Schlegel aus erster Ehe,mit seiner Mutter und seinem Stiefvater Friedrich Schlegel schon früher vorangegangen war.Von eigentlich katholischen Malern gehörte zu dieser die kirchliche Malerei pflegenden Gruppevor allen der Böhme Joses Führich (1800—1876), einer ihrer strengsten Adepten und nach-mals ihr größter Meister, in dessen tiefsinniger Auffassung, charaktervoller und sittlich ernsterGestaltung der biblischen Stoffe die volle Schönheit dieser so recht aus dem innerlichstendeutschen Gemütsleben hervorgegangenen Kunstrichtung herausleuchtet. Schon früher als Führichhatte sich der Düsseldorfer Peter Cornelius (1783—1867) an Overbeck angeschlossen. Aberer diente der religiösen Kunst nicht allein; ebenso sehr fühlte er sich zu den gewaltigen Ge-stalten der antiken und der germanischen Heroenwelt hingezogen. Das Ziel der nazarenischenSchule war, statt der Schönheit des Körpers, deren Darstellung die klassische Richtung (S. 359)vorzugsweise verfolgt hatte, den Adel der schönen Seele zum Ausdruck zu bringen. Daher dasVerlassen der Antike und die Rückkehr zu den vorrafaelischen, kirchlich unanfechtbaren Malern,wie der Mönch Fra Angelico von Fiesole, der Engelmaler, einer war. Die Kunst sollte nachden Grundsätzen dieser ihrer Jünger alles Veränderliche und Leichtfertige meiden; sie sollteBilder von unvergänglichem inneren Werte, namentlich Freskogemälde schaffen, und, auf dieReligion sich stützend, volkstümlich werden. Dieser vornehmen und edlen Auffassung von derAufgabe der bildenden Kunst und ihren Zielen hat es an weitreichender und nachhaltigerWirkung nicht gefehlt. Allmählich jedoch zerfiel die Schule. Als die Strenge der Gesinnungnachließ, griffen manche Nazarener wieder auf die Antike zurück. Veit (1793—1877) in seinendas Christentum verherrlichenden Gemälden von großartiger Komposition und tiefer Empfindung,sowie der Wiener Eduard Steinle (1810—1886), dessen reiche Schaffenskraft. sich in vielenreligiösen Bildern von schöner Einfachheit und großer Innigkeit bethätigte, blieben der RichtungOverbecks treu. Cornelius aber wurde weitherziger und vielseitiger. Er schuf großartigeIllustrationen zu Goethes „Faust", entwarf aus echt deutschem Geiste herausgeschaffene Kom-positionen von markiger Kraft zu dem Nibelungenliede und Umrißzeichnungen zu DantesParadies. Dann malte er im Auftrage König Ludwigs I. von Baiern die berühmten Freskenin dem Münchener Museum antiker Skulpturen (Glyptothek) und für die Ludwigskirche dasgroßartige Kolossalgemälde des Jüngsten Gerichts. Seit 1826 war Cornelius Direktor derAkademie in München; 1841 ging er indes nach Berlin. Hier erhielt er Auftrag zu Wand-malereien, die einen Borhof zur Begräbnisstätte der Königsfamilie Preußens weihen sollten, der,1848 unterbrochen, leider nicht zur Vollendung gedieh. Die Entwürfe aber, welche Corneliusfür diesen Zweck geschaffen, und der neben ihnen entstandene Karton zu einem Bilde derErwartung des Weltgerichts gehören zu den gedankenvollsten und gewaltigsten Werken derMonumentalmalerei aller Zeiten. Cornelius' Kompositionskraft und Ausdrucksfähigkeit warenunerschöpflich. Sein Schaffen war stets auf das Große gerichtet; innere Wahrheit ging ihmüber alles, er wußte sie mit einer überzeugenden, nicht immer in den Grenzen der Naturbleibenden Macht, in jedes seiner Werke hineinzulegen. Seine großen historischen Bilder in