Fortschreiten der Naturwissenschaften, Medizin und Landwirtschaft. 469
Die Kenntnis der Schichten des das Innere der Erde umgebenden festen Gefüges erweiterteLeopold von Buch (1774—1853), Humboldts Freund; er hatte in Hochstetter, Sueß, Rütimeyerund Kaufmann tüchtige Nachfolger. Bernhardt, Naumann und Mitscherlich erforschten dasWesen der Krystalle und andere Verhältnisse der Mineralogie. Lorenz Oken begründete inDeutschland die wissenschaftliche Botanik und Zoologie. Vervollkommnet hat die Pflanzenkundeim Geiste strengerer Forschung der Begründer der Zellenlehre Matthias Schleiden (1804 bis1881), während die Tierkunde (und auch die Geologie) durch Karl Vogt, Roßmäßler, Burmeistcrund deren Genossen weitergeführt, von Alfred Brehm aber popularisiert worden ist. ZoologischeMuseen, Gärten und Aquarien haben in allen größeren Städten eifrige Pflege gefunden. Meckel,Carus, Johannes Müller, Valentin, Kölliker, Dubois-Reymond, Hermann haben die Physio-logie, Waitz, Gerland, Friedrich Müller, Peschel und Ratzet die Ethnographie weiter aus-gebildet. Ernst Häckel förderte, Moritz Wagner und Wiegand bekämpften in Deutschlanddie nicht nur die wissenschaftlichen Kreise, sondern alle Welt in Bewegung setzende HypotheseDarwins von der Entwickelung der Arten und der Abstammung des Menschen, welche schonKant, Goethe und Oken in ihrem Grundgedanken geahnt hatten.
Die österreichischen Forscher Rokitansky und Skoda schufen den Boden für die patho-logische Anatomie, die von Virchow und Bock weiter und mit anderen Zweigen der Heil-kunde einer glanzvollen Entfaltung entgegengeführt wurde, welche durch die großartig angelegtenanatomischen, physiologischen, pathologischen, chemisch-pharmazeutischen und andere wissenschaft-liche Institute, welche an den Hochschulen erstanden, sowie durch die sich rastlos verbesserndenKrankenhäuser ungemein begünstigt ward. In der Augenheilkunde begründete Albrechtvon Gräfe (1820—1870) in einer bedeutenden lehrenden wie ärztlichen Thätigkeit (S. 466f.)die neuere Ophthälmologie.
Während der ersten Zeiten unseres Jahrhunderts suchte Wilhelm Huscland (1762 bis1836) in Berlin statt der einseitig gelehrten Richtung der Medizin eine volkstümlichere zusördern. Noch unausgesöhnt sind die einander widersprechenden Ansichten über die von FriedrichHahnemann (1755—1843) aufgestellte Theorie der Homöopathie. Die Wasscrheilkunde hatin Deutschland der fchlesische Bauer Bincenz Prießnitz (1799—1851) begründet. Eineweitere, die Zukunft der praktischen Medizin in Anspruch nehmende Richtung, die der Ent-haltsamkeit von Fleisch und geistigen Getränken, der Vegetarianismus, fand von seinem Vater-lande England her feit 1859 bei uns durch den in der Schweiz wirkenden Natnrarzt HahnEingang. Die Chirurgie haben Chelius, Dicffenbach und Langenbeck, die JrrenheilkundeMahir und Griesinger gefördert; auch treffliche Irrenanstalten sind errichtet worden.
Das Werk Thaers (S. 347 f.), die wissenschaftliche Behandlung der Landwirtschaft,welche er in unser Jahrhundert eingeführt hatte, setzten Hubert von Schwarz und Bürger fort;Jnftns von Liebig (1803—1873) bereicherte dieses Fach seit 1830 durch die Agrikulturchemie.
Erzrelief am Denkmal Thaers zu Berlin: Schafzucht. Letztes Werk Chr. Rauchs (1777—1857), von Hagen vollendet.
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