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Zweiter Band.
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484 Sechstes Buch. IX. Die Wiederherstellung des Deutschen Reiches.

der Zukunft erlosch. Laut kundgegebene Absichten von französischer Seite aus die Rheingrenze,welche der Minister Thiers und die Chauvinisten des Nachbarlandes äußerten, riefen dievaterländischen Gefühle wieder wach. Die französischen Sympathien, welche aus Widerwillengegen die herrschende Reaktion längs der ganzen Rheinlinie hervorgetreten waren und sich biszur Herbeisehnung des napoleonischen Systems, ja bis zu dessen dichterischer Verherrlichungdurch Zedlitz und Heine verirrt hatten, wurden mehr und mehr zurückgedrängt. Beckers Rhein-lied elektrisierte ganz Deutschland. Das Mitgefühl für die von Dänemark bedrückten deutschenBrüder in Schleswig-Holstein erwachte mit der Hoffnung auf ihre Befreiung nach dembevorstehenden Aussterben des dänischen Königshauses. Die Beschäftigung mit den Wissenschaftennahm einen vaterländischen Charakter an, indem Vereine zur Pflege der einzelnen Wissens-zweige allgemein deutsche Versammlungen hielten. Das Jubelfest der Erfindung des Typen-drucks und die in Angriff genommene Vollendung des Doms von Köln, den man als Denkmaldeutscher Größe feierte, riefen allgemeine Begeisterung hervor. Und so fanden denn auch dieRegentenhandlungen des neuen Königs von Preußen jubelnden Beifall. Der Preßzwang wurdeerleichtert, verhaßte Staatsmänner aus ihren Ämtern entfernt, Verfolgte, wie Arndt, Iahn,die Brüder Grimm, wieder zu Ehren gezogen; Gefangene wurden freigelassen, den Beamtenfreiere Bewegung gewährt. Das bis dahin immer noch verbotene, 1840 von Clias in Bern,einem Schüler Jahns, veredelte Turnen wurde 1841 in allen höheren Schulen Preußenseingeführt und blieb in Zukunft unbehelligt.

Zweiguldenstück von Frankfurt a. M. auf die Wahl Friedrich Wilhelms IV. zum deutschen Kaiser.Silber. Originalgröße. Berlin, Königl. Münzkabinett.

Allein dem frohen Aufschwung der deutschen Gemüter, welche damals noch leicht zu be-friedigen waren, folgte eine bittere Enttäuschung. Noch während obiger vielversprechenderSchritte weigerte sich der König entschieden, eine Verfassung zu gewähren, oder, wie er sagte,„ein Stück Papier zwischen sich nnd sein Volk treten zu lassen". Der Oberpräsideut der Pro-vinz Preußen, Heinrich Theodor von Schön (1773—1856) und der Arzt Joh. Jacoby (1805bis 1877) in Königsberg, welche den Übergang zum Berfassungsstaate in kleinen, aber wirk-samen Schriften verlangten, wurden angefeindet und verfolgt, der Präsident des Gerichtes,welches den letzteren freisprach, entlassen. Freisinnige Blätter wurden in Preußen verboten,freisinnige Deutsche anderer Staaten ausgewiesen; der Dichter Hoffmann von Fallerslebcnwurde seiner Professur in Breslau entsetzt, der hessische Minister Hassenpflug (S. 481) aberals Richter nach Berlin berufen. Dagegen wurden Richter, welche nicht so urteilten, wie dieRegierung es wünschte, gemaßregelt oder aus dem Amte entfernt. Das Attentat des verrücktenBürgermeisters Tschech, der auf den König schoß, und die Gewaltthaten der aus Hunger ver-zweifelnden schlesischen Weber wurden den Freisinnigen zur Last gelegt. — Aufs neue begabsich Preußen in die Gefolgschaft Rußlands und Österreichs.

Die „vormärzlichen" Zustände wurden indessen immer unerträglicher. Es wetterleuchtetean allen Enden und Orten. In Baden drohte der Mannheimer Obergerichtsadvokat Hecker(geb. 1811) mit der Revolution; in Sachsen verhinderte nur der beliebte Volksmann RobertBlnm das Weitergreifen eines 'in Leipzig (1845) gegen die reaktionäre Regierung gerichteten

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