Die Revolution von 1848. Das Vereinswesen.
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Tumultes; in Baiern brach die Geduld des langmütigen Volkes, als 1847 die Begünstigung,welche der König der spanischen Tänzerin Lola Montez erwies, ein dem Jahrhundert sonstganz fremdes Maitressenregiment zu erneuern schien. Die dortige Bewegung kostete dem kunst-liebenden Ludwig I. seinen Thron. Zu spät erfüllte in Preußen der König das Wort seinesVaters durch Einberufung des „vereinigten Landtags".
Endlich brach im März 1848 in beiden Großstädten Deutschlands die Revolution aus,— kopflos, ungeordnet, nichts als „Mißverständnisse", Verwirrung und nutzlose Blutopferherbeiführend. Man wollte Freiheit, verstand aber in allen Gegenden etwas anderes darunter.Man schwelgte in Festen und schwang dreifarbige Fahnen, die sich bald genug zu Totenfeiernund schwarzen Tranerflaggen verwandelten.
Der verhängnisvolle Dualismus, unter welchem Deutschland seufzte, konnte vvn keinemParlament gelöst werden, am wenigsten von der redseligen Versammlung in der Paulskirchezu Frankfurt durch eine gutgemeinte und schöne, aber undurchführbare Reichsverfassung.Grausam schnell schwand der Traum freisinniger Regierungen dahin. Neben den edelsten Be-strebungen und der redlichsten Begeisterung sahen Wien und Frankfurt verwerfliche Mordthatendes Pöbels; bald mischten sich die unsaubersten Elemente in die Barrikadenkämpfe und in dieSchlachten des Bürgerkriegs. Kein Wunder, daß der König von Preußen die ihm angeboteneKaiserkrone ablehnte und damit diesem Traum ein Ende setzte.
Das Ringen nach Freiheit verblutete und endete im Standrecht, in Kasematten und elendemFlüchtlingsdasein, Wohl hatte Deutschland zwei Errungenschaften erlangt: die Preßfreiheit unddie Schwurgerichte; aber die Opfer dafür waren gleichwohl zu groß gewesen, und schwer lasteteauf dem Land und Volk die vierte Reaktion seit den Befreiungskämpfen, in welcher sich derGeist der drei früheren wiederholte, ja verschärfte (S. 462).
In der Schweiz war inzwischen die jesuitische Reaktion <S. 427) und der von ihr her-vorgerufene Sonderbund, vbschon von Frankreich und Österreich unterstützt, im Jahre 1847gestürzt worden. Im September 1848 wurde die in den dreißiger Jahren nicht gelungeneReform des Bundes nach amerikanischem Muster durchgeführt und 1874 wesentlich verbessert,welche dem Lande dauernden Frieden, bedeutende Wohlfahrt und größere politische Einheit undSelbständigkeit brachte.
Während, wie einerseits der Entwickelungsgang der Kunst und Litteratur, sowie die Fort-schritte der Wissenschaft und Technik und anderseits die Gestaltung der sozialen Zustände gezeigthaben, die allgemeinen Verhältnisse unserer Zeit sich teils zum Schlimmeren, teils aber auchzum Besseren wendeten, wurde die politisch-religiöse Reaktion, welche an der Weiterausbreitunggewisser Übelstände die meiste Schuld trug, ihrem Ende entgegengeführt, In Weimar-Eisenachund Koburg-Gotha hatte sie überhaupt keinen Eingang gesunden; in Baiern, Württemberg undBaden schwand sie bald dahin. Das erste Anzeichen einer nach vorwärts strebenden Ermannungdes deutschen Volkes und eines Erwachens kräftigen Nationalbewußtseins that sich bei Anlaß derhundertjährigen Feier der Geburt Schillers im Jahre 1859 kund. Die damalige ErhebungItaliens behufs seiner politischen Einigung gab den Deutschen ein zündendes Beispiel, so starkauch das Mitgefühl für den Verlust war, welchen Österreich an seinen transalpinen Besitzungendurch die Italiener erlitt. Mit großer Begeisterung wurde am 18. Oktober 1863 der Ablaufeines halben Jahrhunderts seit der Völkerschlacht bei Leipzig, welche Deutschland vvn fremdemJoche befreit hatte, überall gefeiert.
Es hob sich ferner zu Anfang der sechziger Jahre das Vereinswesen ganz ungemein.Nicht nur die Schulzeschen Arbeitervereine entstanden damals, auch Schützen-, Turn- und Ge-sangvereine erblühten in demselben Maße, in welchem sich das Politische Leben freieren Zuständennäherte. Die allgemeinen deutschen Schützenfeste, welche seit 1856, zuerst in Koburg, woder von den Freisinnigen höchlichst gefeierte Herzog Ernst das Schützenwesen begünstigte, allezwei oder drei Jahre abgehalten wurden, nahmen, wie auch die Turn- und Gesangfeste, immermehr einen patriotischen Charakter an; so auch die Wanderversammlungen wissenschaftlicher,wohlthätiger und anderer Vereine und der sich großartig entwickelnden, praktischer Nächstenliebedienenden Feuerwehren.