56
worden, und der berühmte Philosoph fügt daher in vollsterWahrheit zu dem eben Angeführte» hinzu: „Es ist eigent-lich wohl eine Ungerechtigkeit, wenn man dieseRevolution immer nur die französische nennt,oder ausschließend als eine solche betrachtet; eswar eine politische Krankheit, ein epidemischesVölker übel des ganzen Zeitalters....
„Diesem neuen Heidenthume der jetzigen Zeit lag auchetwas Positives zu Grunde: die politische Abgöt-terei; und es mochte der nächste und unmittelbare Gegenstandund jedesmalige Götze nun die Republik und die Göttin derFreiheit oder die große Nation und endlich der Kriegsruhmund die reine Eroberungssucht selbst sein, so macht dieseskeinen Unterschied. Es ist immer der nämliche Dämonder politischen Zerstörung, der anti christlicheStaatsgeist, welcher die Zeit verführt und dieWelt beherrschen will.... der eigentliche Abgrunddes Unterganges für die jetzige Welt ist aberjene politische Abgötterei, sie mag eineForm an-nehmen und Namen tragen, welche sie will. Ehediese nicht ganz weggeräumt, ehe jener Abgrunddes Verderbens nicht vollkommen geschlossen ist,kann auch das Haus des Herrn, wo Friede undGerechtigkeit sich umarmen, nicht auf dem neuge-reinigten Erdreiche emporsteigen."
Nachdem er die entstehende und wachsende Revolution ge-sehen, beklagt ein berühmter Gelehrter, ein Präsident desTribunats, die Ausschweifungen seiner schrecklichen Mündel,und erklärt der Welt geradezu in's Angesicht, daß all dieVerirrungeu durch das Studium der alten heidnischen Autorenhervorgerufen seien. Am ersten Vendemiaire des Jahres IX., amJahrestage der Gründung der französischen Republik,eröffnete Andrieux die Sitzung des Tribunats mit folgendenWorten: „.... Der Einfluß der Bücher, welche zuunserer Erziehung dienten, die Bewunderung