98
hieraus in die Encyklopädie; aus dieser hat es Hr. v. Mi-rabeau geschöpft." ')
Also ist diese Theorie im klassischen Alterthume zur Weltgekommen. Durch das ganze Mittelalter hindurch vergessen,erschien sie wieder zur Zeit der Renaissance; diese formulirtesie, vermachte sie der Philosophie, diese übergab sie der Revo-lution und die Revolution brachte sie zur Anwendung. Istdies klar?
Da die Erziehung fortwährend dieselbe ist, so erzeugt sieauch dieselben Idee» und dieselben Wirkungen. Gilt es nichtheute in ganz Europa, daß, wenn ein deßsallsiges Gesetz regel-mäßig votirt ist, die Regierungen nach ihrer Weise das Eigen-thumsrecht modificiren können? Gehört es nicht zum gutenTone, sich vor der constituirenden Versammlung von 1789 biszur Erde zu verbeugen? Billigen nicht mit wenigen Aus-nahmen fast alle französischen Tagesblätter die Beraubung derKirche in Piemont durch den Grafen Cavour und in Spaniendurch Hrn. Madoz? Wer protestirt dagegen? Wo ist deröffentliche Geist, der darob in Unruhe geräth und reclamirt?
Endlich dekretirt die von der heidnischen Theorie Mira-beau's bestochene Versammlung am 2. November 1790: AlleKirchengüter stehen zurVerfügung derNation.^)
1) Monitenr v. 30. Oct. 1789.
2) Von Versailles in den Octobertagen nach Paris übergesiedelt, tagtedie Versammlung in einem der Säle des erzbischvflichen Palastes,so lange bis man die Reitbahn der Tuilerien für sie eingerichtethatte; diese bezog sie im Monate April 1790. In Betreff dieserBeraubung finden wir im Monitenr vom 2. December fünf Punktebesonders nennenswerth: 1) Am Allerseelentage, an welchem dieVersammlung die Güter des Klerus zur Verfügung der Nationstellte, zeigte sich zu Paris eine Mondsfinsterniß. 2) Der Bischofvon Autun war es, der diesen gegen seinen eigenen Stand gerich-teten Beschluß beantragt hatte. 3) Hr. Camus, der Sachwalter desKlerus, führte an diesem Tage in der Versammlung den Vorsitz.4) Es war einer der Säle des erzbischvflichen Palastes, in welchemdieser Beschluß gefaßt wurde. 5) Einem protestantischen Minister,