Band 
[1. Band.]
Seite
186
JPEG-Download
 

186

des Königs zu gewinnen, um vielleicht diesen zu retten oderseine Verurtheilnng zu beschönigen. Ich verlange, daß derVerfassungsausschuß bis zur Verurtheilnng des Königs dieMenschenrechte vorlege, und sich die Familie Orleans am dar-auffolgenden Tage zurückziehe." ')

Der Antrag Saint-Just's ward wie der Buzot's abge-lehnt.

Jetzt eilt Brutus Louvet aus die Tribüne und seinenVorredner an Klassicismus noch überbietend, faßt er sich also-gleich in folgenden Worten: „Ich widersetze mich der Ver-tagung. Repräsentanten des Volkes, nicht ich komme hierher,um Buzots Vorschlag zu unterstützen, sondern vielmehr derunsterbliche Begründer einer berühmten Republik,der Vater der römischen Freiheit, Brutus.

„Ja, Brutus; seine Rede, die er vor mehr alszweitausend Jahren gehalten, ist auf unsere ge-genwärtige Lage dergestalt anwendbar, daß mauglauben könnte, er hätte sie erst heute gehalten.Der Tyrannei müde, schwur das römische Volk der königlichenWürde ewigen Haß, verjagte seinen Despoten, Tarquiniusden Stolzen, und, eifersüchtig aus seine entstehende Freiheit,hielt es dieselbe schon durch die bloße Gegenwart einiger inseiner Mitte verbliebenen Tarquinier gefährdet. Alsbald ver-sammelt Brutus dieses der Republik so würdige Volk, undwendet sich in seiner Gegenwart an seinen Kollegen, den Neffendes Tarquinius: Franzosen, ich schwöre, daß es Bru-tus ist, welcher spricht, ich bin nur sein treuerDolmetscher, vernehmet aufmerksam Brutus. Dasrömische Volk glaubt, seine Freiheit nicht vollständig erlangtzu haben, so lange es das Blut seiner verhaßten Könige nochin Rom sieht. Abkömmling des Tarquinius, befreie uns vondieser Furcht; vielleicht ist sie eitel, allein sie beunruhigt dieFreunde der Republik.

1) Monit. ebend.