227
Statt Aller, deren Zeugniß hier wiederzugeben uns zu
- weit führen würde, lassen wir einen vertrauten Freund Mazzi-ni's, den italienischen Advokaten Ruffini, der heute als Flücht-ling in England lebt, aber von seinen Verirrungen zurückge«
^ kommen ist, sprechen. In einem unlängst erschienenen Werke')drückt er sich aus, wie folgt: „In meiner Kindheit ward ichs von einem Oheime, einem Pfarrer in der Umgegend von Ge«/ nua, fromm erzogen. Im Jahre 1818 trat ich in das Colleg^ der somaskischen Ordensmänner, welche denselben Principien
- folgen und dieselben Bücher gebrauchen, wie die anderen demUnterrichte geweihten geistlichen oder weltlichen Corporationen.Eines Tages schlug ich meinen Studiengenossen aus derselbenAbtheilung die Gründung einer Republik vor. Mein Vor-schlag fand allgemeine Zustimmung und ich bemerkte, daß die
ß Worte Republik und Consulargewalt allgemeinen und' sehr bezeichnenden Beifall erhielten. Nun rief ich: Alle, diefür die Republik sind, mögen die Hände erheben! Alle Händeerhoben sich; es ward keine Stimme des Widerspruches laut.
„Es ist eine seltsame Wahrheit! In Piemont, wo damalsdie absoluteste Regierung herrschte, war die öffentliche Erziehungvollkommen republikanisch. Die Geschichte Griechenlands undRoms, der einzige Unterrichtsgegenstand, der mit einiger Sorg-s fält betrieben wurde, war nur eine ununterbrochene Declama-i tion gegen die Monarchie, eine glänzende Lobrede auf dieDemokratie. Athen und Sparta, blühend und glücklich, so^ lange sie Republiken waren, gingen von dem Tage an, anH welchem die Gewalt in eine andere Hand überging, rückwärts.Rom datirte seine Größe und seine Macht von dem Tage, anwelchem es die Tarquinier verjagte; die große Republik,welche die Welt erobert hatte, schwand unter den Händen derCäsaren dahin.
„Es schien, als habe man absichtlich unseren Zorn gegendie Tyrannen und unsere Bewunderung für ihre Mörder er-
1) Lorenzo Benoni: kassaZes in t5s tits ol an Italian. 1850.
15*