Band 
[1. Band.]
Seite
19
JPEG-Download
 

^ In diesem Augenblicke meldet man, die Ceremonie, zuwelcher der Konvent geladen worden, sei zu Ende. „Ich! verlange," ruft Thuriot aus, „daß sich der Konvent dessenj ungeachtet in den Tempel der Vernunft begibt, um dort dieHymne der Freiheit zu singen. Dieser Schritt ist vom größ-ten Interesse. Der Konvent wird durch diesen formellenAct beweisen, daß ihm die öffentliche Meinung in der Zer-störung der Vorurtheile nicht vorangeeilt ist. Das Volk wirdgerne dorthin zurückkehren, um seine Vertreter zu begleiten." ')

Thuriot's Vorschlag wird zum Beschlusse erhoben.

Da man sich zum Weggehen anschickte, erscheint der Hohe-priester Chaumette mit seiner Gottheit von Fleisch und Beinvor den Schranken. „Bürger," so sagt er, „das Volk hatder Vernunft in der früher sogenannten Metropolitankircheein Opfer gebracht. Es will ihr jetzt ein anderes imHeiligthume des Gesetzes darbringen; ich bitte den Konvent,ihm Zutritt zu gestatten."

Eine Gruppe von Musikern, welche verschiedene Musik-stücke ausführt, eröffnet den Zug. Hierauf kommen die jungen' Waisen der Vertheidiger des Vaterlandes; sie singen eine patrio-s tische Hymne, die im Chöre wiederholt wird. Bürger mitrothen Mützen folgen, unter dem öfters wiederholten Ausrufe:Es lebe die Republik! Nieder mit dem Fanatis-mus! Es lebe die Vernunft! Es lebe der Berg! DieMitglieder der Versammlung vereinigen ihre Ausrufe mit denender Bürger; der Saal hallt wieder von Beifallrufen.

- Unter dem Schalle einer kriegerischen Musik kommt nun, ein Zug von jungen weißgekleideten, mit dreifarbigen Bändernumgürteten, das Haupt mit Blumen geschmückten Mädchen.Vor dem Präsidenten angekommen, stellen sich dieselben in einemKreise auf, während sämmtliche Bürger vorbeidefiliren und dieHymnen, die sie im Tempel der Vernunft gesungen hatten,wiederholen. Bald erscheint auch die Göttin; es ist ein schönes

1) Monit. v. 20. Vend. des I. IH. — 2) Monit. ebendas.

2 *