229
reizenden Hieroglyphen zu erläutern, oder wenn man will, vorden Augen der Jugend jede ihrer anmuthigen Puppen zu öffnen.Um mit dem Lehrvortrage auch das Beispiel zu verbinden,beweist er aus höchst gelehrte Weise mit zahlreichen Citationen,daß der Großmeister der Beredsamkeit, Cicero, fast niemalsden Mund geöffnet habe, ohne eine dieser Figuren zu ge-brauchen. Zum Beispiel, wenn er sagt: „Die Wurzeln derBuchstaben sind bitter, ihre Früchte aber süß," so gebrauchter eine Apophonisme; wenn er sagt: „Man wisse es wohl,ich habe Nichts verbergen, Nichts verschweigen wollen," sogebraucht er eine Apoplanesis. Bei genauer Untersuchungwird man finden, daß, wenn er zu Jemanden sagte: „GutenTag," oder: „Wie befindest du dich?" er eine Tapi-nosis anwandte. Sicherlich machte er auch, wenn er sagte:„Man muß ein Thor sein, um zu leugnen, daß ein Mördersterben muß," eine Prnpergasie, und wenn er sagt:„Sehet aus Rullus, wie er zwischen dem römischen und demfeindlichen Lager steht," eine Diatyposis, und wenn ersagt: „Ja, ja, die Zeit wird kommen," eine stolze Diabole.
Auf die Beispiele folgen Entwürfe zu Aufsätzen, in denendie jungen Leute alle Springfedern der Kunst, deren Mecha-nismus der gelehrte Professor dargethan hat, spielen lassen sollen.Diese Hebewerkzeuge der Beredsamkeit müssen, wie die Kanonenund Armbrüste in einer Schlacht, in einer Rede zur Anwendungkommen, müssen in jeder Minute so und so viele Schüsse ab-feuern, bald in Rottenfeuer, bald in Kreuz - und Pelotonfeuer.In einer guten, ächt ciceronianischen Rede müssen in der Ein-leitung so und so viele Oxymoron, so viele Prodiasa-pHefen und so viele Stretotylon vorkommen. Die Pro-pofitio muß mit Mycterismen, Antimetabolen undBrachyepeien ausgeschmückt sein, der Körper der Redekann die Procatalepsien, Anadioplosen, Polysyn-thetons und Ep anadipHosen nicht entbehren; gebieterisch
1) Ebendas.