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wir, Priester der Musen, die wir das Gelübde ab-legen, Allem zu entsagen, um uns ihrem Culte zuwidmen, nicht ermächtigt, von der Erlaubniß, denNamen zu ändern, Gebrauch zu machen?"')

Nach dieser Rede berathschlagt der Senat und fällt seinUrtheil dahin, der berühmte Antonio Maria Majoragio seiermächtigt, sich Marcus Antonius Majoragius zunennen.

Man weiß nicht, worüber man bei der Lectüre diesesseltsamen Processes mehr erstaunen soll, über den Werth,welchen die Schriftgelehrten der Renaissance darauf legen, sichin Griechen und Römer umzuwandeln, oder über den Ernst,mit dem der Mailänder Senat solche Debatten anhört undüber dergleichen Dinge aburtheilt.

Wie dem nun sei, so steht durch dieses unglaubliche Spe-cimen des öffentlichen Geistes im sechzehnten Jahrhundert soviel fest, daß für die Schriftgelehrten der damaligen ZeitRenaiffant werden, ein neues Leben annehmen, in eine andereGesellschaft treten, eine Art Priesteramt erhalten hieß. Dasschönste Geschenk, das Gott den Menschen verliehen, ist nichtdas Evangelium, sondern die antike Literatur. Die Freudendes Familienlebens, die Wonne bei dem Empfange des heili-gen Abendmahles verschaffen der Seele keine so große Befrie-digung, als die Lectüre Homer's und Virgil's.

Wie soll man, wenn wir hohe Magistratspersonen solcheKindereien ganz ernst auffassen sehen, den Einfluß solcher Re-den, insbesondere aber solcher Beispiele, auf die Gedankenfünfzehnjähriger junger Leute beurtheilen?

Man entgegne mir ja nicht, dies seien nur Ausfälle bei

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