Band 
[2. Band.]
Seite
90
JPEG-Download
 

90

„Weßhalb," sagt er, „soll die Sanftmuth in der Republikein Verbrechen sein? Wollen wir freier werden als die Athe-nienser, das freieste Volk, welches je existirt und der Barm-herzigkeit den Altar, vor welchem der Philosoph De-monax noch mehr als tausend Jahre später die Tyrannen sichniederzuwerfen veranlaßte, errichtet hat? Unser großer Leh-rer Machiavel, auf den mich zu berufen ich nicht unterlassendarf, betrachtet diese Anstalt für jede Regierung als die wich-tigste und höchst nothwendigste, da der Souverän eher dieFunktionen des allgemeinen Sichcrheitsausschusses als die desWohlthätigkeitsausschusses niederlegen dürfe. »Ihr allein,«empfiehlt er, »darf der Verwalter der Souveränetätdie Vertheiln ng derGnaden undAlles, wasGunsterwirbt, vorbehalten, während er den Magistrats-personen die Vertheilung der Strafen und Alles,was Unannehmlichkeiten veranlaßt, überläßt.«" ')

Die Nothwendigkeit der Preßfreiheit, die Bürgschaft fürdie individuelle Freiheit, beweist er gleichfalls mit Hülfeder Griechen und Römer. „Was gibt der Republik vorder Monarchie den Vorzug? Nur Eines, die Freiheit, zu redenund zu schreiben. Führt die Preßfreiheit in Moskau ein, sowird Moskau schon morgen eine Republik sein. Welches istdas beste Bollwerk der freien Völker gegen die Einbrüche desDespotismus? Die Preßfreiheit. Und welches ist nach ihrdas beste? Die Preßfreiheit. Und welches ist nachher dasbeste? Wiederum die Preßfreiheit. Mit Einem Worte, dieSeele der Republiken, ihr Pulsschlag, ihr Athem, der Hauch,an welchem man erkennt, daß die Freiheit noch lebt, das istdie Freiheit der Schrift und der Rede.

„Man gehe nach Rom und schaue, welche Schleuse vonAngriffen Cicero öffnet, um Verres, Catilina, Clvdius. Pisound Antonius in ihrer Verruchtheit zu ertränken. Der DichterCatullus zieht den Julius Cäsar in den Koth herab.

1) Nr. 2. S. 218 ff.