150
„Besonders werde die politische Erziehung auf diesen Zweckhin gerichtet; ihr werdet ihr einen großen, der Tugend unsererRegierung und der Erhabenheit der Bestimmung unsererRepublik entsprechenden Charakter ausdrücken. Ihr werdetdie Nothwendigkeit fühlen, sie gemeinsam und für alleFranzosen gleich zu machen. Es sollen keine Herren mehr,sondern Bürger gebildet werden. Nur das Vaterland istberechtigt, seine Kinder zu erziehen; es kann diesen Schatznicht dem Stolze der Familien anvertrauen." ')
Nirgends aber sprach sich Robespierre in dieser Hinsichtentschiedener aus, als in seiner Rede vom 7. Februar 1794,wo er von den Principien der republikanischen Moral spricht.Durch seine Erziehung fest überzeugt, daß die Republiken desAlterthums das goldene Zeitalter des Menschengeschlechts sind,erklärt er ganz laut und unverhohlen, Zweck der Revolutionsei ihre Wiederbelebung. „Welches ist der Zweck," ruft eraus, „den wir zu erreichen streben? Wir wollen den friedlichenGenuß der Freiheit und der Gleichheit; wir wollen eine Ord-nung der Dinge, wo alle Gemüther durch die beständige Mit-theilung der republikanischen Gesinnungen sich erweitern; mitEinem Worte, wir wollen alle Tugenden und alleWunder der Republik anstatt aller Laster und Lächerlich-keiten der Monarchie." ?)
Wo hat Robespierre diesen schmeichelhaften Begriff vondem republikanischen Frankreich geschöpft? Welcher RepublikTugenden und Wunder hat er bewundert? Die von Genuaoder Venedig? Welches Vorbild hat er im Auge, wenn erdiese Sprache führt? Hören wir: „Nur in der Demokratieist der Staat wahrhaft das Vaterland und kann auf ebensoviele bei seiner Sache betheiligte Vertheidiger, als er Bürgerenthält, zählen. Hierin liegt die Quelle des Uebergewichtesder freien Völker über die anderen. Wenn Athen undSparta über die asiatischen Tyrannen triumphirt
1) Monit. ebendas. — 2) Ders. ebendas.