Band 
[2. Band.]
Seite
166
JPEG-Download
 

166

Sdvres, die Madelonetten, das Hotel Talaru, Rue de la Loi,Picpus und die Conciergerie, genannt das Vorzimmer derGuillotine, weil man an jedem Nachmittage aus den an-deren Gefängnissen Diejenigen dort hinbrachte, welche amanderen Tage vor dem Revolutionstribunal, dessen Local überden Zellen der Conciergerie gelegen war, erscheinen und amAbende das Blutgerüste besteigen sollten.

Die Füllung der Conciergerie geschah in folgender Weise:Gegen zwei Uhr Nachmittags sah man von dem Justizpalasteeine lange Reihe von Wagen, die man die Bahren derLebendigen (Liores lles vivnnts) nannte, abfahren. DieseWagen waren von ziemlicher Länge und mit Seitenbänkenversehen; sie wurden von vier Pferden gezogen, und von vierreitenden Gendarmen nebst einem Huissier des Revolutions-tribunals, der vornen saß, begleitet. Am Gefängnisse ange-kommen, zwang der Huissier alle Gefangenen, abzusteigen, nahmim Hofe den Namensaufruf vor, trennte die Auserwähltenund vervollständigte seine Ladung anderswo wieder auf das

1) Gefängnißalmanach, geschrieben von mehreren Ge-fangenen. Paris, im Jahre III, vierte Ausgabe. — Eine Einzel-heit in Betreff des Gefängnisses Talaru verdient der Erwähnung.Eine jede der achtundvierzig Sectionen von Paris war eifersüchtigdaraus, ihr Gefängniß zu besitzen. Nun hatte ein gewisser Gencedas Hotel Talaru gepachtet, um es, in möblirte Wohnungen getheilt,an Andere zu vermiethen. Da seine Miethsleute nicht einziehen, soüberläßt Gence das Hotel der Section Lepelletier, um es zum Ge-fängnisse einzurichten. Herr v. Talaru ward als verdächtig verhaftetund dort eingesetzt. Er erhielt ein Zimmer für den täglichen Mieth-preis von achtzehn Franken, das heißt beinahe ebenso theuer, als er seinganzes Haus für das ganze Jahr vermiethet hatte. Der Salonallein trug für jede Dekade 320 Livres, für jeden Monat 960 Livres,für jedes Jahr 10,520 Livres, an Miethe ein. Das ganze Hotel warvon dem Eigenthümer für jährlich 7000 Livres vermiethet worden.Herr v. Talaru verließ sein für ihn zum Gefängniß gewordenesHaus nur, um das Blutgerüste zu besteigen. Gefängnißal-manach, S. 62.