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[2. Band.]
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»Gerichtsverhandlungen« der fortwährende Gegenstand unsererAngst und Neugierde. Täglich sechzig, unter denen wir oftunsere unglücklichen Leidensgenossen wiederfanden. Das Un«geheuer, das von Theseus überwältigt wurde, begnügte sichjedes Jahr mit vierzig Opfern; Rvbespierre, blutdürstiger alsdieses, verlangte deren sünfzigtausend. ')

„Tagtäglich erlebten wir Scenen, grausamer noch als derTod. Ein früherer Cavalleriecapitän, der auf seinem schlechtenLager in Todeszuckungen sich wälzte und dem keine Erleich-terung, kein Arzneimittel geboten ward, besaß den Muth, sichim Hemde bis in den Hof zu schleppen, um durch seinen An-blick das Mitleid des Kerkermeisters zu erregen. Er wardzurückgewiesen und in einem dumpfen Loche auf eine schlechteMatraze geworfen, wo er starb. Der Leichnam blieb dortunbeachtet liegen, da trafen eines Tages Gefangene aus derz Normandie im Plessis ein. Frauen, die ihre Kinder säugten,

^ wurden an diesen furchtbaren Ort gebracht. Als sie sich inI ihrer düsteren Wohnung umschauten, stießen sie aus diesen ent-s seelten Körper; ihr Blut erstarrte und das Innere des Ker-kers war für sie nur noch ein von Sterbende» vollgepfropfterRaum." 2)

Ganz natürlich: man ärntet, was man säet. Ihr habtden heidnischen Baum gepflanzt; im Colleg du Plessis zumalhat man ihn lange Zeit und mit Vorliebe gepflegt; darf mansich wundern, daß er seine Früchte getragen hat?

Indem der mit dem Alterthume selbst genährte Zeugeseiner inneren Empörung und seinem Erstaunen noch weiterenLauf läßt, wendet er sich an die Triumvirn und ruft aus:„Wird man jemals zu glauben vermögen, daß es drei elendenSpitzbuben gelungen sein sollte, Frankreich zu beherrschenund fünfundzwanzig Millionen von ihnen unterjochten Männernihre Gesetze aufzuzwingen? Sie ihre Füße auf Senatoren,

1) Gefängniß du Plessis, S. 82, 163.

2) Ebendas. S. 114.