308
neuesten Biographen bei, „wußte sie sich eine Erziehung zugeben. Bei Plutarch, dem beredten Darsteller der großenThaten des Alterthums, suchte sie dieselbe. Plutarch war derLehrer dieses jungen Mädchens." ')
Endlich erklärte Charlotte Corday selbst nach ihrer Ver-haftung, sie habe alle antiken Schriftsteller von Ta-citus an gelesen.
Charlotte Corday, das Opfer ihrer Privatlcctüre, kannman sagen, war auch das Opfer des allgemeinen Vorurtheils,das sich dazumal für die Menschen, die Ideen und die Dingedes klassischen Alterthums kundgab. Als Beispiel des Höhen-grades, bis zu welchem die Erziehung die Köpfe erhitzt hatte,wollen wir zum Beschlusse unserer Skizze einige zeitgenössischeAktenstücke anführen.
In seinen Memoiren ruft Louvet, Mitglied des Kon-vents, aus: „Charlotte Corday hat in ihrem Verhöre meinenNamen genannt; ich habe meine Belohnung empfangen. Ichhabe die Gewißheit, daß ich nicht sterbe. Charlotte Corday,die du in Zukunft der Abgott der Republikaner seinwirst, in dem Elysium, wo du mit den Vergniaud,den Sidney, den Brutus ruhest, vernimm meine letztenWünsche. In Bälde werde auch ich in die Orte, wo duherrschest, eingehen, mich mit meiner Gattin wieder vereini-gen und mich mit dir unterreden."
Ein anderer Schriftgelehrte, Courigueur mit Name», ver-faßt folgende Verse, um sie unter die Büste der Heldin zusetzen:
Der Brutus und der Tell glorreiche Schülerin,
Befreitest du dein Land vom blut'gen Ungethüm;
1) Lairtullier, Berühmte Frauen, B. I. S. 142; Liobrapbie univer-selle äss eonteinporains, art. Lbarlotie Loräax.
2) Oaretts Nationale äe I'rance, n. 214.
3) Von Dubots S. 159 angeführt.