316
eines Zeitalters, welches der religiöse und sociale Triumphder Revolution, weil die absolute Herrschaft des Menschenüber jede gegebene Ordnung, war, zu bewundern gelehrt wird.Für die Zukunft steht die Erfahrung fest: Es sind jetzt bei-nahe vier Jahrhunderte, daß mit einer in der Geschichte bei-spiellosen Anomalie das monarchische Europa seine jungenGenerationen zu ihrer Ausbildung in die republikanischenSchulen Rom's und Sparta's sendet, und beinahe vier Jahr-hunderte sind es, daß Europa von Revolutionen in Revolu-tionen gestürzt wird.
Vergebens sagt man, um bei diesem verderblichen Sy-steme zu beharren: „Nehmt gute Lehrer, dann wird diese Be-rührung ganz ungefährlich sein. Wie die Meister, so dieSchüler!" ')
Wie die Meister, so die Schüler! Es kann keinen rich-tigeren Grundsatz geben, als diesen. Hören wir den Beweisdafür. Wenn man dem Lichte nicht absichtlich die Augen ver-schließt, so steht man, wie sich das christliche Europa seit vierJahrhunderten allmälig in eine heidnische Gesellschaft ver-wandelt, die Ideen, Künste, Neigungen, Sitten und die Phy-siognomie der Griechen und Römer annimmt; seine öffentlichenPlätze, seine Villen, Gallerten, Paläste wimmelten von schlüpf-rigen Gemälden, obscönen Statuen, schmutzigen Kupferstichen,Brustbildern der Menschen, der Götter und Göttinnen desAlterthums. Woher rührt dieses? Vom Volke?
Seit vier Jahrhunderten hat sich das christliche Europamit Theatern gefüllt, in welchen alle Abende Tausende von Zu-schauern der Darstellung der Leidenschaften, selbst dem Triumphedes Lasters Beifall klatschen. Wer hat diese Theater gebaut?Wer die Stücke für sie verfaßt? Etwa das Volk?
Seit vier Jahrhunderten ist das christliche Europa mitBüchern und Tagesblättern überschwemmt, in welchen die
1) Oise!puli ut plurimum cvaUere solent, ciuale8 sucrunt ipsorum
ms§isUi.