Band 
[2. Band.]
Seite
315
JPEG-Download
 

315

Der Katholicismus sagen wir, nicht das Christenthum.Denn das protestantische Christenthum, welches ausder freien Forschung hervorging und die Vernunft vergöttert,ist seinem Wesen nach revolutionär, folglich durchaus unfähig,die Revolution zu bekämpfen. Ebenso verhält es sich auchmit dem schis m «tischen Christenthum, dessen Daseinselbst in der religiösen Ordnung die permanente Revolu-tion ist.

Die Revolution ist eine absolute, bewaffnete Ne-gation. Eine Negation läßt sich aber nur durch eine entgegen-gesetzte Affirmation, eine absolute Negation nur wieder durchl eine gleichfalls absolute Affirmation, eine bewaffnete Negationdurch eine bewaffnete Affirmation, das Martyrium bekämpfen.^ Diese absolute bewaffnete Affirmation findet sich nur imKatholicismus, der, weil er das ganze menschliche Leben aufdie göttliche Ordnung basirt, einzig und allein berechtigt ist,zu der Revolution zu sprechen: „Zwischen dir und mir herrschtder vollständigste Widerspruch; du bist das absolute Nein, ichaber bin das absolute Ja. Du bist die Philosophie der Em-pörung, die Politik der Empörung, die Religion der Empö-rung; ich aber bin die Philosophie des Gehorsams, die Politikdes Gehorsams, die Religion des Gehorsams. Du bist dieBegründung der religiösen und socialen Ordnung auf dieWillkür des Menschen; ich aber bin der adäquate Gegensatzjeder auf den Willen des Menschen begründeten, vom Willendes Menschen ohne Beziehung mit dem Vollzüge des göttlichenWillens geleiteten religiösen Ordnung. Mit Einem Worte,du bist der bis zur Zerstörung gesteigerte Haß, ich bin diebis zum Martyrtode erhobene Liebe."

2. Wenn es lächerlich ist, den Gegensatz der Revolutionanderswo als in dem Katholicismus zu suchen, so ist die Be-hauptung eben so lächerlich, der Katholicismus könne derRevolution mit Erfolg entgegengestellt werden, wenn der Kernder Jugend in den acht entscheidendsten Jahren des Lebensdie Institutionen, die Ideen, die Menschen und die Dinge