Band 
[2. Band.]
Seite
4
JPEG-Download
 

4

Der vierzig Wegstunden lange Zug war nur eine ununter-brochene Reihenfolge von Leichenehren. Der Wagen, welcherden Sarg trug, war stets von den Municipalbeamten und denNationalgardisten jeder der auf seinem Durchzuge gelegenenGemeinden begleitet. Von Entfernung zu Entfernung warenweißgekleidete junge Mädchen gekommen, um Blumenkränzeauf demselben niederzulegen. Lorbeer- und Eichenzweige, mitRosen, Myrthen und Feldblumen durchflochten, beschattetendiesen Wagen in antiker Form, auf welchem nachstehendezwei Verse Voltaires als Inschrift zu lesen standen:

Der Mensch muß sich, wenn frei geboren, selbst beherrschen,

Hat er Tyrannen, so muß er sie entthronen.

Es war Nacht, als der Zug in Paris eintraf. Für seinenEmpfang war schon Alles vorbereitet. Flammenlichter und Be-leuchtungen aller Art erhellten seinen Marsch durch die Haupt-stadt und die ihn begleitende Menge machte seinen Einzug zueinem wahrhaften Triumphe. Der Leichnam wird unter denAcclamationen des Volkes auf die Trümmer der Bastille ge-bracht; eine Plattform beherrscht den ganzen Raum, welcherVoltaire zum Gefängnisse gedient hat. Bevor man seinenSarg daselbst niedersetzt, zeigt man ihn der Volksmenge, welcheauf die lebhaftesten Beifallsbezeugungen ein ernstes Schwei-gen folgen läßt. Dort ruhen die Reliquien des Befreiersder Gedanken inmitten von Blumen und Sträuchern jederArt unter einem Beete von Rosen, Myrthen und Lorbeer-blättern.

Nebenan erhebt sich in Form einer Triumphsäule ein ausden Steinen, die von den Trümmern der Bastille herrühren,gebildeter Felsen. Der Gipfel und die Umrisse dieses Felsenssind mit verschiedenen symbolischen Figuren nebst folgenderInschrift decorirt:

1 )