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lassen, einen Gott, welcher das Verbrechen nur durch seinenatürlichen Folgen, die Furcht und die Gewissensangst, be-straft; was ferner die Skeptiker betrifft, welche, diese unlös-baren und schon damals indifferenten Fragen nichtbeachtend, sich darauf beschränkten, eine natürliche Moralzu lehren, so sind dieselben in Griechenland und inRom sehr zahlreich gewesen und sie beginnen esauch unter uns zu werden, allein diese Philo-sophen sind nicht gefährlich." ')
Fügen wir noch bei, daß der herrschende Charakter derAbhandlung über die Sitten, wie in dem heidnischen! Alterthume, die Apotheose des Menschen ist. Für Voltairegilt die Vorsehung in den Begebenheiten dieser Welt rein garNichts. Der Mensch thut Alles, entscheidet durch seine gutenoder schlimmen Eigenschaften über Alles. Als unbedingterund selbstständiger Herr erkennt er zwischen Gott und sich nurein so schwaches Band an, daß Condorcet ganz unbefangensagt: „Die Geschichte Voltaire's hat noch den andern Vor-theil, daß sie in England wie in Rußland, in Virginia wie! in Bern und Venedig gelehrt werden kann. Er hat nur fol-gende Wahrheiten in dieselbe aufgenommen, zu welchersich alle Regierungen verstehen können: Man lasse dermenschlichen Vernunft das Recht der Selbstbe-lehrung; der Bürger bleibe im Genusse seinernatürlichen Gleichheit, dieReligion sei duldsam."
Was Voltaire in der Geschichte unbegreiflich findet, daserklärt er nicht etwa durch die Vorsehung, sondern durch dasSchicksal (äöstineo), ganz genau so, wie es die Alten thaten.Von der Größe und dem Verfalle der Römer sprechend, sagt' er: „Gibt es nicht sichtbarlich ein Schicksal, welches dasWachsthum und den Untergang der Staaten bewirkt? WerAugustus prophezeit hätte, daß das Capitol eines Tages voneinem Priester einer aus der jüdischen hergeleiteten Religion
1) Lssai sur les moeurs, B. Il, S. 303.