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„Die Grenzen des Möglichen in der Moral sind nicht soeng als wir glauben; unsere Schwachheiten, unsere La-ster, unsere Vorurtheile schränken sie ein. Die nie-drigen Herzen glauben den großen Männern nicht; gemeineSklaven lächeln höhnisch bei dem Worte Freiheit.
„Nach dem, was geschehen ist, bedenken wir, was ge-schehen kann. Ich will von den alten Republiken Grie-chenlands gar nicht reden; allein die römische Repub-lik war, wie mir scheint, ein großer Staat und die StadtRom eine große Stadt. Dennoch aber vergingen wenigeWochen, da das römische Volk nicht und sogar mituntermehrmals in der Woche versammelt wurde. Es übte nichtnur die Pflichten der Souveränetät aus, sondern auch theil-weise die der Regierung, und das ganze Volk war auf demöffentlichen Platze fast ebenso oft Magistrat als Bürger....Vom Bestehenden auf das Mögliche zu schließendünkt mir rathsam." ')
Ganz vorzüglich! beeilte sich das souveräne Volk zu ant-worten, das wie Rousseau in der Schule der Griechen undRömer gebildete Volk. Der erste Gedanke, auf den es kam,war der, in Consilien, in Ur- und Wahlversammlungen zu-sammenzutreten. Bald zeigte die Erfahrung, daß Rousseau'sSystem unausführbar war; denn es ist schlechterdings unmög-lich, eine für einige kleinere Republiken wie Athen und Spartaund selbst für Rom geschaffene Organisation auf eine Nationvon fünfundzwanzig Millionen freie Menschen anzuwenden;was nämlich Rom anlangt, so war dort das eigentlich so-genannte Volk sehr wenig zahlreich und besaß Sklaven, diemit der Sorge für das Hauswesen beauftragt waren, währenddie Bürger auf dem öffentlichen Platze die Rolle des Wählersoder des Magistrats spielten.
Die größten Bewunderer Rousseau's und des Alterthumshaben diese nur im Colleg bewundernswürdige Utopie ver-
1) Gesellschaftsvertrag, B. III. K. ll.