Geld bekommen sie endlich auch Soldaten, um das Vaterlandzu knechten, und Volksvertreter, um es zu verkaufen.
„Der Wirrwarr des Handels und der Gewerbe, die Hab-i gier und Gewinnsucht, die Weichlichkeit und die Liebe zur Be-quemlichkeit verwandeln die öffentlichen Dienstleistungen in be-zahlte. Man tritt einen Theil seines Vortheils ab, um den-selben nach Gutdünken und bequem zu vermehren. Gebet Geldund ihr werdet bald Ketten bekommen. Dieses Finanzwort istein Sklavenwort; es ist in der Bürgerschaft unbekannt. Ini einem wirklich freien Staate verrichten die Bürger Al->^ les mit ihren Händen, Nichts mit Geld. Weit ent-> fernt, zu bezahlen, um von ihren Pflichten entbunden zu wer-den, würden sie eher bezahlen, um sie selbst erfüllen zu können.
„Die Idee der Repräsentanten ist eine moderne Idee; siestammt aus der Feudalherrschaft, dieser ungerech-ten und sinnlosen Herrschaft, in welcher die Men-schengattung entwürdigt und der Name Menscheine Schmach ist."')
Dies ist die schmeichelhafte Definition, welche die Schülerder Renaissance von dem Regierungssysteme der christlichenVölker im Mittelalter stets zu geben pflegen. Mit welchemstolzen Uebermuthe vergleichen sie dasselbe mit dem socialenZustande des Alterthums! Wie unermüdlich streben sie dar-nach, die Welt dem ersteren zu entreißen und zum letzterenwieder zurückzuführen! „In den alten Republiken," ruftRousseau aus, „hatte das Volk niemals Vertreter, ja mankannte dieses Wort gar nicht."
Den Bürgern waren nicht nur alle Aemter, die sie selbstversahen, zugänglich, sondern Alle hatten auch die Ehre unddie Pflicht, Soldaten zu werden. Der Schüler des Plutarch,welcher Europa L tont xrix umgestalten und griechisch undrömisch machen will, setzt hinzu: „Jeder Bürger muß pflicht-schuldig, keiner darf handwerksmäßig Soldat werden. So
1) Gesellschaftsvertrag, B. III. K. 15. — 2) Ebendas.