Band 
[2. Band.]
Seite
109
JPEG-Download
 

109

Societäten, es wird das materielle Wohl sein. An welchemZeichen wird man dieses materielle Wohl, welches das Chri-stenthum der Welt zu verschaffen gewußt hat, erkennen? Alsgetreuer Schüler Plato's und Lykurg's antwortet Rousseau:An der Vermehrung der Gattung. Die Regierung, welchediese am Meisten begünstigt, ist die beste; die, welche sie wirk-lich erlangt, die glücklichste. In dieser Beziehung ist Chinadas vollkommenste und glücklichste Land des Erdballs! „Wel-ches," sagt Rousseau, „ist das Endziel der politischen Associa-tion? Die Bewahrung und das Wohlergehen ihrer Glieder.Welches ist das erste Zeichen, daß sie bewahrt bleiben unddaß es ihnen wohl ergeht? Ihre Zahl und ihre Bevölkerung.Die Regierung, unter welcher sich die Staatenam Meisten bevölkern und vermehren, ist unfehl-bar auch die beste. Einst blühte Griechenland mitten unterden grausamsten Kriegen, das Blut floß dort stromweise unddoch war das ganze Land mit Menschen bedeckt. »Etwas Auf-regung,« sagt Macchiavell, »gibt den Gemüthern Leben, undnicht sowohl der Frieden bewirkt das Wohlergehen der Gat-tung als die Freiheit.«" ')

Die unmittelbare Schlußfolgerung dieser Stelle ist die,daß der Cölibat verbannt werden muß. Die mittelbare undweiter greifende Schlußfolgerung aber ist, daß man den Ka-tholicismus, weil er den Cölibat heiligt und die Gesellschaftenaus Grundlagen, die den alten Gesetzgebern unbekannt waren,constituirt, verbannen muß, endlich daß das rechte Mittelfür die Neugestaltung der modernen Völker darin besteht, daßsie wieder Republikaner nach dem Muster der Römer und Grie-chen werden.

Auf diese Weise läßt sich der Inbegriff der StaatslehreRouffeau's in folgenden Artikeln zusammenstellen:

„Gott gilt bei der Gründung der Societäten gar Nichts.Diese ist eine rein menschliche Thatsache; der Naturzustand ist

t) Gesellschastsvertrag, B. III. K. 9.